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Aufgalopp 718

Autor: 

Daniel Delius

TurfTimes: 

Ausgabe 718 vom Freitag, 13.05.2022

Es ist ja nicht so, dass Deutschland derartige Dinge exklusiv hätte. In Großbritannien werden schon bei den geringsten Problemen mit dem Geläuf die Rennen abgebrochen. Im französischen Wissembourg wurde unlängst zur Hälfte der Veranstaltung Feierabend gemacht. Und am Premiumstandort Longchamp wurde vorvergangene Woche nach einem Zwischenfall im Schlussbogen der Renntag erst einmal gestoppt – eine längere Pause folgte, es wurde ausgesteckt, dann ging es weiter. Was auch einige Jockeys am Samstag in Dresden befürwortet hatten, so ging das offensichtlich nicht, es hätte dem Vernehmen nach zu lange gedauert, bis die nötigen Hilfsmittel zur Stelle gewesen wären.

Den Abbruch einer Rennveranstaltung gibt es also immer wieder, doch dass dies hierzulande innerhalb von 24 Stunden gleich zweimal passiert, ist eine unerfreuliche Premiere. Die Ursachen dafür mögen unterschiedlich sein. Grundsätzlich ist die Community auf diesem Sektor deutlich sensibler geworden. Eine Rolle mag schon der Klimawandel spielen. Schon im Frühjahr ist es deutlich trockener als sonst, die Pflege der Bahnen erfordert mehr Fingerspitzengefühl. Mancherorts bedarf es möglicherweise auch eines gewissen Nachhilfeunterrichtes.

Am Ende können Rennleitung, Rennverein, Trainer und Besitzer einer Meinung sein, entscheidend sind die Reiter. Wenn sie sich nicht in den Sattel schwingen, ist der Renntag vorbei. Sie verdienen bei den Ritten wenig genug, seit Jahren sind die Reitgelder so gut wie eingefroren, wenig motivierend bei schwierigen Bedingungen. Hier auch noch von einem Boykott zu sprechen, ist sicher weniger angemessen. Es gilt für die betroffenen Bahnen, jetzt wieder Vertrauen zu gewinnen. Nicht nur bei den Reitern, auch bei den Trainern und Besitzern. Schließlich muss man die Pferde mit einem guten Gefühl an den Start bringen. Sonst geht die Fahrt woanders hin.

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