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Aufgalopp 695

Autor: 

Daniel Delius

TurfTimes: 

Ausgabe 695 vom Freitag, 19.11.2021

Vor einigen Jahren hatte der damalige Verbands-Präsident Albrecht Woeste einmal die Zahl von 1200 Fohlen pro Jahr als Vorgabe für die deutsche Zucht in den Raum geworfen. Das war die Zeit, als die Zahl unter die Tausender-Grenze gerutscht war. Eine Wunschvorstellung beim Blick auf die aktuellen Kennziffern. Die Zahl der Bedeckungen hierzulande mag zwar stabil geblieben sein, doch durch die Reisebeschränkungen und den Brexit sind deutlich weniger deutsche Stuten etwa in Großbritannien und Irland gedeckt worden. Es steht also zu befürchten, dass die Zahl der Fohlen 2022 rückläufig sein wird. Hoffnung auf Besserung? Eher nicht. Sicher, es stehen für das nächste Frühjahr eine Handvoll neuer Deckhengste zur Verfügung und wie zu hören ist, könnte es auch noch zu einem weiteren prominenten Neuzugang kommen. Doch ob das zu einem Aufschwung führen wird, erscheint fraglich.

Das Problem ist grundsätzlicher Natur. Aktuell entsteht der Eindruck, dass es eine ganze Reihe Neueinsteiger und Vollblut-Interessierte gibt, dass Menschen, die bisher wenig mit dem Rennsport zu tun hatten, sich für diesen begeistern können. Doch wollen diese Leute einen schnellen Kontakt, sie sind an Startpferden, eventuell auch Jährlingen interessiert, das zeigt der diesjährige Markt. Auktionen mit Pferden im Training etwa werden von deutschen Trainern und Besitzern momentan stark frequentiert. Züchten ist jedoch langfristiger, von ersten Überlegungen bis zum Start des selbstgezogenen Pferdes vergehen Jahre. Wer hat heutzutage einen solch langen Atem?

Eigentlich sollte sich der Verband einmal über ein grundsätzliches Zuchtprogramm Gedanken machen, mit finanziellen Anreizen, etwa für Käufe von Mutterstuten, vielleicht sogar mit Zuschüssen. Das wäre ein Ansatz. Aber bedauerlicherweise reines Wunschdenken und wohl nicht zu finanzieren.

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