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Aufgalopp 689

Autor: 

Daniel Delius

TurfTimes: 

Ausgabe 689 vom Freitag, 08.10.2021

Am ersten Oktobersonntag des Jahres 1975 verkündete Karl-Heinz Köpcke den Zuschauern der 20 Uhr-Tagesschau die Nachricht, dass Star Appeal den Prix de l’Arc de Triomphe gewonnen hatte. Und der Chefredakteur einer ostwestfälischen Tageszeitung, bei der der Autor dieser Zeilen damals gerade seine Lehre begonnen hatte, befand, dass dieses sensationelle Ereignis selbstverständlich auf der Seite 1 zu erscheinen habe. Nun, das hat Torquator Tasso dann doch nicht geschafft, Fußball und Tischtennis waren den ARD-Verantwortlichen in der sonntäglichen Tagesschau wichtiger, dem Vernehmen nach hätten bewegte Bilder des Rennens auch eine enorme Summe Geldes gekostet. Immerhin tauchte der Sieg des Auenquellers in fast allen Presseerzeugnissen des Landes auf, die Kollegen der Bild-Zeitung hatten für den Adlerflug-Sohn eine passende Schlagzeile: „Papa-Hengst starb kurz nach dem Sex.“ Und zu Wochenbeginn nahmen sich Medien des Themas an, die sich ansonsten eher wenig mit dem Galopprennsport beschäftigen. In Mülheim wurde gleich ein Empfang organisiert. Nach dem Star Appeal-Sieg wurde ein paar Tage später anlässlich eines Kölner Renntages dessen Jockey Greville Starkey aus England eingeflogen, er canterte auf dem Hengst im Moritzberger Dress die Gerade herunter und bekam anschließend eine Medaille des Direktoriums. Mal abwarten, was sich der Verband diesmal einfallen lässt.

Den großen Schub für die Branche wird es sicher nicht geben, zumindest nicht, was die Zuschauerzahlen und das öffentliche Interesse anbetrifft, das war auch nach Danedream nicht der Fall. Aber das ohnehin hohe Ansehen der quantitativ so übersichtlichen deutschen Zucht dürfte nach dem Sieg bestimmt nicht gelitten haben. Im Gegenteil: In den entsprechenden Kommentaren schwang stets eine gewisse Hochachtung mit. Ein positiver Effekt dürfte wohl am Ehesten auf dem Markt zu spüren sein.

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