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Aufgalopp 678

Autor: 

Daniel Delius

TurfTimes: 

Ausgabe 678 vom Freitag, 23.07.2021

Der 5. Juni 2005 war aus rennsportlicher Sicht ein historischer Tag. Das Französische Derby, der Prix du Jockey Club, 1836 aus der Taufe gehoben, führte erstmals über 2100 Meter. Nicht mehr über 2400 Meter, wie eigentlich alle Derbys weltweit. In jenem Jahr gewann Shamardal gegen Hurricane Run, dreihundert Meter weiter hätte vermutlich der Ammerländer gewonnen, aber der Sieger war natürlich kein verkehrtes Pferd. Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Distanz hat es danach eigentlich nicht gegeben, zumal es auch eine Serie von später erstklassigen Siegern gegeben hat. Der aktuell in Chantilly erfolgreiche St. Mark’s Basilica ist derzeit die Nummer eins der Weltrangliste, davor siegten Cracks wie Mishriff oder Sotsass. Puristen allerdings merken immer noch an, dass das eigentliche Derby in Frankreich doch der Grand Prix de Paris sei.

Die Kollegen der „Racing Post“ haben jetzt eine Diskussion zu dem Thema angestoßen. Auch in Epsom solle man künftig über eine kürzere Strecke nachdenken. Derbysieger seien einfach auch später als Deckhengste nur mehr schwer zu vermarkten. Das ist nicht ganz richtig. In der Siegerliste nach 2000 tauchen Namen wie Galileo, High Chaparral, New Approach, Sea The Stars, aktueller Australia auf. Denen kann Vererbungskraft nun wirklich nicht abgesprochen werden. Fraglos ist international nicht unbedingt mehr der reine Steher gefragt, aber schließlich führt auch der „Arc“ über 2400 Meter. So ist kaum anzunehmen, dass in dem so traditionalistisch geprägten England ein seit 1780 gelaufenes Rennen in der Distanz geändert wird. Wir werden es wohl kaum erleben. Und auch in Hamburg wird das Derby auch die nächsten einhundert Jahre über 2400 Meter gestartet. Mindestens.

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