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Aufgalopp 670

Autor: 

Daniel Delius

TurfTimes: 

Ausgabe 670 vom Freitag, 28.05.2021

Kevin Woodburn wäre bestimmt noch frei. Doch muss er im Moment aussetzen. Denn Amateure sind vorerst noch nicht zugelassen im deutschen Rennsport, auch nicht der amtierende Deutsche Meister, der inzwischen 63 Jahre zählt. Er ist im diesjährigen Derby nur Zuschauer. 1989 hat er das Rennen gewonnen, sechs Jahre später noch einmal. Bahnkenntnis hätte er also. Dabei würde er vielleicht sogar gebraucht, denn es wird am ersten Juli-Sonntag gar nicht so einfach sein, genügend routinierte Reiter im wichtigsten Rennen des Jahres zum Einsatz zu bringen. Immerhin vier Jockeys, die dort schon einmal gewonnen haben, sind derzeit in den hiesigen Jockeystuben zu finden, hinter dem verletzten Maxim Pecheur steht ein Fragezeichen. Das wäre in anderen Zeiten kein Problem gewesen, da griffen die Besitzer gerne auf teure und allerdings nicht immer einsatzfreudige ausländische Sattelkünstler zurück, in teilweise zweistelliger Zahl kamen sie etwa aus Großbritannien eingeflogen. Auch nicht gerade zum Wohlgefallen der hiesigen Szene.

2021 ist das schwierig. Von der Insel dürfen aktuell nur Vierbeiner einfliegen, für Zweibeiner wird es problematisch, denn wer will für einen zweieinhalbminütigen Ritt schon vieltägige Quarantäneaufenthalte in Kauf nehmen. Und ein Blick nach Frankreich zeigt, dass von dort aus wenig Hilfe zu erwarten ist. Zeitgleich mit Hamburg findet ein großer Renntag rund um den Grand Prix de Saint-Cloud statt. So könnten sich im diesjährigen Derby Chancen für Jockeys ergeben, die solche verdient hätten, weil sie ansonsten nicht so sehr im Fokus stehen. Denn nach dem Stand der Dinge wird mit einem vollen Feld zu rechnen sein. Nur Kevin Woodburn wird sich die Sache wohl vom heimischen Sofa ansehen müssen. 

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