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Aufgalopp 650

Autor: 

Daniel Delius

TurfTimes: 

Ausgabe 650 vom Freitag, 08.01.2021

„Deutschland ist bisher gut durch die Zeit der Pandemie gekommen“ – das ist ein Satz, den in der jüngeren Vergangenheit besonders Politiker verkündet haben, wohl auch, um ihr eigenes Handeln zu rechtfertigen. „Der deutsche Galopprennsport ist bisher gut durch die Zeit der Pandemie gekommen“ – das hat bisher unseres Wissens wörtlich noch keiner der Oberen der Szene gesagt. Immerhin: Einen öffentlich gemachten Corona-Fall hat es im inneren Kreis der Branche bisher noch nicht gegeben, zumindest wurde er nicht bekannt gegeben. Und noch vor den führenden europäischen Rennsportländern ist es im vergangenen Mai gelungen, Rennen zu veranstalten. Und es hat dann weiter regelmäßig Veranstaltungen gegeben, wenn auch vor in der Regel trauriger Kulisse, aber immerhin. Doch mit Rennpreisen, die so manchem die Tränen in die Augen getrieben haben. Zwei Beispiele: 7.000 Euro gab es nahezu durchweg als Siegprämie in einem Listenrennen, der Eigner des Drittplatzierten bekam 1.500 Euro, wofür in vielen Fällen eine Leistung von 90kg gebracht werden musste. Und ein Pferd wie der Crack des aufstrebende Marco Klein, der immerhin fünffache Sieger Indian Soldier, erfolgreich auf Premium-Bahnen wie Baden-Baden oder München, hat 2020 exakt 10.750 Euro verdient. Brutto.  

Noch scheint es so, als ob die Ställe gut gefüllt sind, die Besitzer nur geringfügig reduzieren, doch wird das Preisgeldgefüge von 2020 nicht unbegrenzt zu halten sein. Iffezheim wird demnächst um zwei Trainer ärmer sein, ein zwar nur kleines, aber doch wenig ermunterndes Indiz. Immerhin haben alle Rennvereine in NRW jeweils 320.000 Euro vom Land erhalten, was nach außen eher verschämt kommuniziert wurde. Es lief wohl auch unter der Überschrift „Corona-Hilfen“, wobei die Rennpreise dem Vernehmen nach mit eingeschlossen sind. Ob sich das in den kommenden Monaten auf die Dotierungen niederschlägt?

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