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Aufgalopp 624

Autor: 

Daniel Delius

TurfTimes: 

Ausgabe 624 vom Freitag, 26.06.2020

„Betroffen sind Zehntausende Rennpferde“, teilte der Journalist Gabor Steingart am Mittwoch seinen erstaunten Hörern im respektierten Podcast „Morning Briefing“ mit, bezugnehmend auf den Lockdown in den ostwestfälischen Kreisen Gütersloh und Warendorf. Da muss der ansonsten doch immer so kundige Steingart etwas verwechselt haben, denn in der Region befinden sich allenfalls mehrere Dutzend Rennpferde und nach unserem Wissensstand können sie auch problemlos die Kreisgrenzen passieren. Was auch für die mit den Pferden verbundenen Zweibeiner gilt.

Die Geschehnisse in Ostwestfalen zeigen, auch wenn sie unmittelbar mit dem Rennsport nichts zu tun haben, wie fragil die Situation momentan ist. Die Behörden werden, was Genehmigungen bezüglich Lockerungen anbetrifft, enorm vorsichtig sein. In Leipzig hoffte man, an diesem Samstag zumindest in übersichtlicher Zahl wieder Besucher auf die Bahn lassen zu können, doch da gab kurzfristig einen Rückzieher. Nordrhein-Westfalen wird diesbezüglich weiterhin zurückhaltend sein und in Hamburg soll man besonders strikt sein.

In anderen Ländern geht man hingegen deutlich forscher zu Werke. In Frankreich sind etwa ab dem 11. Juli bei Sportveranstaltungen bis zu 5.000 Besucher zugelassen, ähnliche Überlegungen gibt es in Italien, in der Schweiz können bis zu eintausend Leute kommen. Das ist teilweise natürlich kein Durchbruch, zumal die Veranstalter erhebliche und dann auch kostspielige Auflagen zu erfüllen haben. Die Möglichkeit, etwa zu großen Renntagen Logen zu verkaufen, damit eine Einnahmequelle zu bekommen, Restaurantbereiche zu öffnen, sollte den Vereinen aber gegeben werden. Ein solches Szenario wird etwa für das Deutsche Traber-Derby im September in Berlin-Mariendorf verfolgt. Eines dürfte klar sein: Einen Renntag mit vollem Haus ohne Restriktionen wird es 2020 im deutschen Rennsport wohl nicht mehr geben.

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