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Aufgalopp 612

Autor: 

Daniel Delius

TurfTimes: 

Ausgabe 612 vom Freitag, 03.04.2020

Das Takamatsunomiya Kinen, ein Gr.- I-Rennen am vergangenen Sonntag im japanischen Chukyo, hatte einen geringfügig höheren Wettumsatz als bei seiner Austragung 2019. Die Bahn hat eine Kapazität von knapp 60.000 Besuchern, doch vor Ort war kein Mensch. Gewettet wurde ausschließlich von außen. Fonner Park ist eine Rennbahn im US-Bundesstaat Nebraska, die bisher selbst in der Szene nur den Eingeweihten bekannt war. In der 57jährigen Geschichte der Bahn betrug der bislang höchste Wettumsatz 1,3 Millionen Dollar – am Dienstag wurden in neun Rennen 2,8 Millionen Dollar gewettet. Bei leeren Rängen. Das Geld kam von Außenwetten, selbst aus Australien. Fonner Park ist eine der wenigen Bahnen in den USA, die noch veranstaltet. Da ohnehin keine Zuschauer kommen dürfen, wurde von den geplanten Wochenendterminen abgesehen, man ging auf den Wochenanfang und war der einzige Rennveranstalter im ganzen Land.

Mit ähnlichen Szenarien wird sich der deutsche Galopprennsport demnächst auch beschäftigen müssen, denn wenn es überhaupt ab Anfang Mai Rennen gibt, bleiben die Wettschalter auf der Bahn zu. Man ist also auf das angewiesen, was von außen kommt und ob dies in derartigen Mengen geschieht wie in Chukyo oder Fonner Park, wäre erstrebenswert, aber kaum realistisch. Für die ohnehin durchweg angeschlagenen Rennvereine sind solche Renntage langfristig nicht zu stemmen, zumal kaum damit zu rechnen ist, dass Sponsorengelder wie vereinbart gezahlt werden. Ein Beispiel von vielen ist der „Königsallee-Renntag“ rund um die 1000 Guineas am 7. Juni in Düsseldorf. Von den dort mit ins Boot geholten Partnern wird wohl keiner zur Verfügung stehen, wenn niemand auf die Bahn kommt. Ohne externe Hilfen wird es nicht gehen. Es sind wirklich herausfordernde Zeiten.

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