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Aufgalopp 607

Autor: 

Daniel Delius

TurfTimes: 

Ausgabe 607 vom Freitag, 28.02.2020

Stellen Sie sich einmal vor, der deutsche Rennsport hätte von jetzt auf gleich 22 Millionen Euro zur Verfügung. Was könnte damit gemacht werden? Man könnte in Neuss eine schicke Doppelrennbahn bauen nach dem Vorbild Mons, natürlich mit einer neuen Tribüne. Man könnte flächendeckend die Rennpreise anheben, nicht nur der unteren Klassen, auch der Gruppe-Rennen, damit sie nicht identische Dotierungen wie Quinté-Handicaps in Frankreich aufweisen. Man könnte die Existenz von Top-Bahnen wie Baden-Baden oder Hamburg auf zumindest einige Jahre hinaus sichern, man könnte Bremen wiederbeleben. Man könnte neue Anreize für Besitzer wie etwa spezielle Prämien schaffen.

Natürlich wäre das Geld nach einigen Jahren weg, so wie möglicherweise die sagenumwobenen Racebets-Millionen, wobei wir inzwischen glauben, dass sie in einem unterirdischen Stollen in der Kölner Rennbahnstraße liegen. In bar. Immer, wenn etwas gebraucht wird, etwa für ein neues Logo, läuft jemand runter und holt frisches Geld. Das ist natürlich eine bösartige Vermutung und die vielen, vielen Millionen sind bestimmt mündelsicher angelegt.

Um noch einmal auf die 22 Millionen zurückzukommen. Es wäre ein schöner Traum, diese Summe zur Verfügung zu haben. Ist aber nicht so. In Saudi-Arabien, in Riad, wird das Geld an diesem Samstag gegen 18.40 MEZ innerhalb von zwei Minuten ausgegeben. In einem einzigen Rennen. Der ganze Renntag dürfte mit allen Nebengeräuschen – unzählige Berater, Mitarbeiter inklusive des großartigen Richard Hoiles als Rennkommentator, eine komplett neue Infrastruktur – ein Vielfaches kosten. Woher das Geld kommt? Danach hat so recht noch keiner gefragt, den beteiligten Aktiven dürfte es auch ziemlich egal sein. Es ist auch ein politisches Statement der Saudis gegenüber den anderen Rennsportnationen der Region. Seht her, wir können so etwas auch. Man darf gespannt sein. 

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