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Aufgalopp 600

Autor: 

Daniel Delius

TurfTimes: 

Ausgabe 600 vom Freitag, 10.01.2020

Beim gerade erfolgten Übergang in das neue Jahrzehnt haben die Historiker in den Medien oftmals die „Goldenen Zwanziger“ des letzten Jahrhunderts in Erinnerung gerufen und Parallelen zur heutigen Zeit bemüht. Ein Vergleich zum Galopprennsport jener Jahre sollte man besser nicht ziehen, denn vor einhundert Jahren begann in Deutschland ein erheblicher Aufschwung, bis zur Wirtschaftskrise 1929, gestoppt auch nicht durch die Inflation. Insbesondere in Berlin strömten die Massen auf die Bahnen in Hoppegarten, Karlshorst, Strausberg und Grunewald, wo 1909 ein modernes Hippodrom erbaut worden war, das 1933 dem Olympiastadion weichen musste. Die Zahl der Pferde im Training in Hoppegarten war Mitte der 20er Jahre in der Spitze vierstellig, rund 200 Wettannahmestellen hatten allein in der Hauptstadt Kundschaft, es gab mehrere unabhängige Züchter-, Besitzer- und Jockey-Verbände. Ein Pferd wie der große Oleander hatte höchstes internationales Niveau.

Es gehört schon viel Optimismus dazu, um eine ähnliche Entwicklung für die aktuellen 20er Jahre zu prognostizieren. Ein Blick auf die Zahlen, die wir auf einer der Folgeseiten veröffentlichen, zeigt, wo es hakt: Es fehlt an Pferden. Die zumindest vor zwei, drei Jahren wieder angestiegenen Fohlenzahlen sind auf ein Niveau zurückgegangen, das schon alarmierend ist. Die Zahl der Pferde im Training hat einen in jüngerer Zeit historischen Tiefstand erreicht, was auch die Renntage anbetrifft. Zwar gibt es Vereine, die für 2020 über eine Erweiterung des Programmangebotes nachdenken, doch wird es schwer sein, zusätzliche Rennen, die eigentlich dringend benötigt werden, quantitativ adäquat zu besetzen.

In den nächsten Tagen wird eine ganze Reihe von Hengstpräsentationen durchgeführt, das ist eine exzellente Gelegenheit, für die Vollblutzucht zu werben. Es bleibt zu hoffen, dass vielleicht doch der eine oder andere neue Züchter gewonnen werden kann.

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