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Aufgalopp 599: Zum Niedergang von Neuss nach einer 144-jährigen Geschichte

Die Galopprennbahn in Neuss mit einer Tribüne, die keine ist, und einer Flutlichtanlage, die noch nicht bezahlt ist. www.galoppfoto.de - Stephanie Gruttmann

Autor: 

Daniel Delius

TurfTimes: 

Ausgabe 599 vom Freitag, 20.12.2019

Vor genau einem Jahr stand in unserer letzten Ausgabe des Jahres eine Meldung mit der Überschrift „Die letzte Rate?“ Es ging darum, dass der Rat der Stadt Neuss noch einmal einen Zuschuss in fünfstelliger Höhe für den Reiter- und Rennverein genehmigt hatte, eine „finale Geldspritze“, um die Wintersaison zu sichern, unklar war damals, ob es über das Frühjahr hinaus Rennen in Neuss geben würde. Einen Renntag hat man in der Sandbahnsaison 2019/2020 noch geschafft, jetzt ist vorerst  Feierabend, Anfang der Woche zog der Galopper-Dachverband den Stecker, die für diesen Sonntag vorgesehenen Rennen wurden kurzfristig nach Dortmund verlegt. Ohne offizielle Begründung, wie man überhaupt die Kommunikation, auch über die Termine im ersten Quartal 2020, auf ziemlicher Sparflamme gehalten hat. In Dortmund wird jetzt bis Anfang März galoppiert, außer an einem Januar-Sonntag, dann wird in Mülheim veranstaltet, der Öffentlichkeit wurde dies aber nur via Wochenrennkalender mitgeteilt. Im Grunde wird man in Köln gar nicht so unglücklich gewesen sein, dass sich das Thema Neuss jetzt relativ schnell erledigt hat. Ein großes Bemühen um den Erhalt der Bahn war eigentlich nicht zu erkennen.

Nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe hat es eine Mitgliederversammlung des Reiter- und Rennvereins gegeben. Kaum vorstellbar, dass der Verein weiter bestehen wird, doch eine Neugründung mit dem Ziel, weiter Rennen zu veranstalten, scheint auch in weiter Ferne zu liegen. Dafür fehlen Persönlichkeiten, die ein neues Kapitel aufschlagen, und auch Geld, denn der Renovierungsstau auf der Bahn ist erheblich. Und von der Kommune wird nichts kommen. Es scheint vorerst unwahrscheinlich, dass auf dem Neusser Gelände, auf dem es am 30. August 1875 losging, noch einmal Rennen stattfinden. 1876 hat der Verein übrigens 693,99 Mark Überschuss gemacht. Lange her.

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