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Aufgalopp 589

Autor: 

Daniel Delius

TurfTimes: 

Ausgabe 589 vom Freitag, 11.10.2019

Der Gruppe I-Sieger Crystal Ocean wird, wie an anderer Stelle vermeldet, im kommenden Jahr in der National Hunt-Abteilung von Coolmore als Deckhengst aufgestellt. Das mag zunächst eine ziemlich normale Nachricht sein, doch lohnt es sich schon, einen Blick auf das Profil des Hengstes zu werfen. Es handelt sich um einen Sea The Stars-Sohn, der zu den besten Grand Prix-Pferden der letzten Jahre zählte, sich spannende Auseinandersetzungen mit Cracks wie Enable und Japan geliefert hat, der seine beste Leistung mit dem Sieg in den Prince of Wales’s Stakes über 2000 Meter geboten hat. Was sucht ein solch tolles Pferd in der Zucht von Hindernispferden, bei allem Respekt vor dieser Sparte?

Sofern wir uns nicht ganz irren, werden die  herausragenden Rennen auf diesem Planeten wie Derbys oder der „Arc“ immer noch über 2400 Meter gelaufen und selbst die in jüngster Zeit nahezu inflationär ins Leben gerufenen Millionen-Rennen weisen stets Distanzen nicht unterhalb von 2000 Metern aus. Nur: Wie sollen Sieger in solchen Rennen gezogen werden, wenn das Gros der neu aufgestellten Hengste über kurze oder mittlere Strecken reüssiert haben? Die Chance auf den schnellen Profit vernebelt auf den Blick auf das Ganze.

Selbst ein Pferd wie der großartige Waldgeist, der nach dem Stand der Dinge im kommenden Jahr aufgestellt wird, könnte als klassischer Steher vielleicht ein Vermarktungsproblem bekommen. Deshalb darf man gespannt sein, wie die Eigner entscheiden: Entweder bleibt er in Europa, wird möglicherweise im Newsells Park Stud aufgestellt, dort, wo er aufgewachsen ist, oder man erliegt dem Ruf des Geldes und er wird verkauft, japanische Züchter sollen interessiert sein. Eine Entscheidung dürfte innerhalb der nächsten Wochen fallen.

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