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Aufgalopp 566

Autor: 

Daniel Delius

TurfTimes: 

Ausgabe 566 vom Freitag, 03.05.2019

Wenn das Telefon schellt und ausländische Fachjournalisten am anderen Ende Auskünfte über Hintergründe deutscher Blutlinien begehren, dann hat sich irgendwo auf der Welt etwas Positives für die deutsche Vollblutzucht ereignet. So geschehen am vergangenen Sonntag in ParisLongchamp, als Waldgeist mit dem Prix Ganay auf und davon ging, die beste Leistung seiner Karriere bot, Morgan La Faye zu ihrem ersten Gruppe-Sieg kam und Urwald auf Listenebene gewann. Nahezu alle wichtigen Rennen an diesem Tag wurden von Pferden gewonnen, deren Ursprung in der deutschen Zucht liegt. Es ist zudem zwar eine Randnotiz, dass zeitgleich die 1000 Guineas in Spanien von einer Stute mit Ammerländer Background gewonnen wurde, aber es ist schon einen Hinweis wert.

Und auch die wichtigen Sieger der letzten Tage in Deutschland kommen aus Linien, die hier schon länger angesiedelt sind. Django Freeman geht auf eine Stute zurück, die in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts von der Gräfin Batthyany aus Brasilien eingeführt wurde. Die Nachkommen wurden gepaart mit erstklassigen Vererbern wie Orsini, Frontal und Acatenango, herausgekommen ist ein Hengst, den auf den Auktionen so recht keiner haben wollte, der jetzt aber Derbyfavorit ist. Winterfuchs, der andere wichtige Dreijährigen-Sieger dieser Tage, stammt aus der auch in Paris so erfolgreichen Waldrun-Familie und auch hier sind in der Tiefe des Pedigrees Namen wie Lomitas, Kaiseradler und Neckar zu finden, erstaunlicherweise erneut Frontal, ein einflussreicher Frankreich-Import.

Es ist, gerade im Hinblick auf anstehende Auktion, sicher nicht verboten, die Werbetrommel für die deutsche Vollblutzucht zu rühren. Auch wenn ein französischer Kollege den Einwand brachte, die Waldrun-Familie käme doch aus Österreich. Das ist so durchaus richtig, doch war das vor 96 Jahren. Und die österreichische Zucht hat sich seitdem auch nicht unbedingt positiv entwickelt.

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