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Aufgalopp 518

Autor: 

Daniel Delius

TurfTimes: 

Ausgabe 518 vom Donnerstag, 17.05.2018

„Die Grasnarbe war nicht ganz ideal. Im Herbst soll sie sich dann in befriedigendem Zustand befunden haben.“

Eine Beschreibung des Zustandes der Bahn in ParisLongchamp? Der Bahn, die gerade für einen dreistelligen Millionenbetrag renoviert wurde? Nein, es handelt sich um eine Anmerkungen zu den Verhältnissen in Hoppegarten. Im Juni 1868, als dort die ersten Flachrennen abgehalten wurden. Bei der Eröffnung der Bahn am 17. Mai des Jahres wurden nur Hindernisrennen durchgeführt. Wir wissen natürlich nicht exakt, wie vor 150 Jahren auf den Rennbahnen die Rasenpflege betrieben wurde, doch eine Bewässerungsanlage gab es schon damals. "Auf der Bahn fielen Tag und Nacht silberhelle Wasserstrahlen auf die grüne Fläche", hatten die Redakteure des "Sporns" bemerkt.  

Daran sollte man sich in Frankreich ein Beispiel nehmen. Was dort auf der neuen Vorzeigebahn bei den bisherigen Renntagen passiert ist, das ist schon mehr als peinlich. Für gewaltiges Geld ist dort angeblich Futuristisches geschaffen worden, doch haben es die dortigen Greenkeeper nicht geschafft, einen anständigen Rasen zu präsentieren. Höhepunkt war am Sonntag die Schließung der Mittleren Bahn. Und das bei ungeheuren Investitionen, die bislang von Publikum aber eher noch nicht angenommen wurden. Denn die Zuschauerzahlen halten sich bislang in übersichtlichen Grenzen.

In Frankreich sind es insbesondere die Jockeys, die den Takt angeben, wenn es darum geht, in Streik zu treten. Als es in Lyon letzte Woche mehrere auf das Geläuf zurückzuführende Stürze im Quinté-Rennen gab, brachen die Aktiven von sich aus den Renntag ab. Sie zogen sich um und fuhren nach Hause. Ohne auf eine Entscheidung der Rennleitung zu warten.

Wenn da noch jemand behauptet, der deutsche Rennsport sei provinziell, der sollte einmal einen Blick über die Grenze werfen. Da geht es hierzulande teilweise doch professioneller zu. Schon vor 150 Jahren. 

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