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Aufgalopp 395: Zur ungewissen Zukunft des Gestüts Harzburg!

Das Aushängeschild des Gestüts Harzburg: Der erfolgreiche Deckhengst Adlerflug. www.galoppfoto.de

Autor: 

Daniel Delius

TurfTimes: 

Ausgabe 395 vom Donnerstag, 26.11.2015

Die Norddeutsche Landesbank, „will sich aus dem Vollblutgestüt Harzburg zurückziehen“. So lautet eine in der vergangenen Woche gegenüber der Goslarschen Zeitung abgegebenen Stellungnahme der landeseigenen Bank und wirklich überraschend kommt sie nicht. Es hat zwar vor Jahren einen führenden Banker gegeben, der ernsthaft sogar als Präsident des örtlichen Rennvereins gehandelt wurde, doch richtig warm geworden sind mit Rennsport und Zucht nur wenige Nord LB-Verantwortliche, die gelegentlich zu Repräsentationspflichten in den Harz gefahren sind. Hinterfragt, so die Bank weiter, würden regelmäßig „nicht-strategische Geschäftsfelder“, und da wurde man in gerade für die Finanzwelt teilweise unruhigen Zeiten im Gestüt Harzburg fündig.

Gestüte werden von Persönlichkeiten getragen, die kurzfristig Entscheidungen treffen müssen, die teuer sein können. Entscheidungen, die schnell gefällt werden müssen, bei denen Spielraum vorhanden ist, ein gewisses Budget sowieso. Hinter Isarland, seit einigen Jahren geschlossen, stand die Stadt München, irgendwann überwogen auch dort die Bedenkenträger und das Schicksal des Gestüts war besiegelt. Wie Harzburg hatte Isarland eine Art Alleinstellungsmerkmal in der Region, der bayerischen Vollblutzucht und in der Konsequenz auch dem Rennsport dort hat das Ende natürlich nicht gut getan.

Harzburg ist als Hengst- und Pensionsgestüt ein wichtiger Standort in Norddeutschland. Daran hängt letztlich auch der dortige Rennverein, doch sollte der stark genug sein, um einen Ausfall des dortigen Trägers zu kompensieren. Zumal es bereits private Züchter geben soll, die bemüht sind, den Gestütsbetrieb zumindest in einem übersichtlichen Bereich aufrecht zu erhalten. So einfach kann das teilweise unter Denkmalschutz stehende Ensemble nun auch nicht aufgegeben werden. Es zeigt aber, wie fragil die deutsche Gestüts-Szene inzwischen geworden ist. 

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