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Abschied von Double Trigger

Double Trigger und Hofhund Sparky 2006. Foto: LeeAnn Day-Whistler

Autor: 

Catrin Nack

TurfTimes: 

Ausgabe 607 vom Freitag, 28.02.2020

Einen Monat vor seinem 29. Geburtstag verstarb am frühen Sonntag Morgen Double Trigger in seinem Heimatgestüt Clarendon Stud in Wiltshire. Der Hengst, der in vertrauter Umgebung seit 2012 seinen Ruhestand genoss, erlag dem Vernehmen nach einer Herzattacke.

Analoge Fotos, verpixelte Videos, das Internet steckte in den Kinderschuhen – es ist eine Weile her, dass Double Trigger die Rennsportwelt von den Sitzen riss. Im Jahr 1991 geboren, war der Hengst bereits zur damaligen Zeit altmodisch. Sein Vater, der Pitcairn-Sohn Ela-Mana-Mou (seine Box zierte ein Schild: „Champion Stayer 1980), hatte züchterisch kaum Akzente setzen können. "Ich erinnere mich genau, wie ich ihn zusammen mit Mark Johnston bei Goffs kaufte, ich war so stolz. Ich wollte den Nachkommen eines Gr.1-Siegers, der etwas aus der Mode war, und Ela-Mana-Mou passte da genau", so Besitzer Ron Huggins, in dessen grün-roten Rennfarben Double Trigger seine Rennkarriere bestritt. 7200 irische Pfund kostete der bunte Fuchs mit dem großen weißen Gesicht und der hellen Mähne; mehr als 550.000 Pfund galoppierte er ein. Trainiert wurde er von Mark Johnston im nordenglischen Yorkshire. "Egal, wie viele Champions ich trainiert habe, ich werde vor allem daran erinnert, dass ich Double Trigger trainiert habe", reflektierte Johnston umgehend in seinem Blog. "Er hat die Zuschauer wie kein anderes meiner Pferde in seinen Bann gezogen, und das völlig zu Recht."

Double Trigger mag ein „altmodischer“ Steher á la Stradivarius gewesen sein, doch das Publikum liebte ihn umso mehr. Er hatte durchaus Klasse, gewann zweijährig seine einzigen beiden Starts, darunter ein Listen-Rennen. In sechs Rennzeiten startete der Hengst 29 Mal, gewann 14 Rennen, 13 davon in Gruppe- oder Listenklasse.  1995 gewann er den Ascot Gold Cup, er lief dem Feld einfach davon und war Johnstons erster Royal Ascot–Sieger. Drei Goodwood-(der erste Dreifach-Sieger des Rennens) und drei Doncaster Cups gewann der bunte Fuchs, dessen große weiße Blesse so etwas wie sein Markenzeichen wurde. 

1995 schlug er in Goodwood seinen rechten Bruder Double Eclipse, ebenfalls im Training bei Mark Johnston; ein sicher nicht alltägliches Ergebnis.  Er lief in der Ära großer Steher: Persian Punch, Moonax, Celeric, Kayf Tara, Further Flight hießen seine Gegner, eine goldene Zeit der Steherdivision. Seine beiden letzten Cups machten ihn zur Legende: es schien, als habe der Hengst seinen Zenit überschritten, die Lust am Laufen schien dahin. In seiner Verzweiflung wechselte Johnston den Jockey, ersetzte Stamm-Jockey Jason Weaver (heute erfolgreicher Rennsport-Moderator) durch Darryll Holland. Ob es die frischen Hände am Zügel, eine frische Taktik oder die frische Luft von Sussex war  - in dem Moment, in dem Double Trigger, als großer Frontrenner bekannt, sein weißes Gesicht aus dem Hintertreffen an die Spitze des Feldes schob, explodierte die Rennbahn. Der Kommentator überschlug sich, die Massen bebten; nach dem Rennen strömte das Publikum in Scharen zur Siegerehrung, um seinen weiterauferstandenen Helden zu feiern. „Es war mehr wie Cheltenham als auf einer Flachrennbahn“ erinnerte sich Huggins. Es war eine Sternstunde der Paradebahn von Goodwood

Als letztes Hurra ließen Pferd und Reiter – diesmal wieder von der Spitze aus – einen Monat später den dritten Doncaster Cup folgen; es sollte das letzte Rennen seiner Karriere werden. Eine Statue von Double Trigger ziert nun die Rennbahn von Doncaster.

Double Triggers Weg in die Deckhengst-Anonymität war gleichsam vorgezeichnet, zu groß die Vorurteile gegen Steher. Sein Einsatzgebiet war der Hindernissport, doch seltsamerweise hatte keiner seiner Nachkommen seine Klasse, sein Charisma, seinen Einsatzwillen. Ein Nachkomme ist in Deutschland verzeichnet: 2005 wechselte der vom Gestüt Elite gezogene Hengst Spirit of Stars über die BBAG in den Besitz des Gestüts Talhof. Optisch ein typischer Sohn seines Vaters, konnte er ihm auf der Rennbahn leider nicht das Wasser reichen. Mit dem Wort „nützlich“ lassen sich viele seiner Nachkommen (die über Hindernisse insgesamt immerhin eine Gewinnsumme von über 1 Million Pfund eingaloppierten) wohl am besten umschreiben.  

Und doch – er führte ein gutes Leben. Bei vollem Anschluß war er ein Familienmitglied, gesund bis zum letzten Tag. Sein Tod stimmt traurig, doch er hinterläßt goldene Erinnerungen. Als einer der großen Steher der Insel wird er lange in den Herzen seiner Fans bleiben.

Catrin Nack

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