Es kann ziemlich frustrierend sein, liest man ein ewig dickes Buch und am Schluss gibt es weder ein Happy End, noch eine sonstige zufriedenstellende Variante. Leider sieht es im Moment bei Ashrun's Melbourne Cup-Abenteuer ganz genau nach solch einem Schluss aus. Entgegen aller Prognosen und Erfahrungen der letzten Jahre, werden diese Woche wahrscheinlich weniger Pferde noch den Absprung machen als gedacht und so wird Ashrun auch nicht mehr ins Starterfeld des Cups rutschen. Aktuell müssten fünf Pferde einen Rückzieher machen und das ist eher unwahrscheinlich. Aus diesem Grund haben sich Jamie Lovett von Australian Bloodstock und der Trainer darauf geeinigt, dass Ashrun am Samstag in den Lexus Hotham Stakes an den Start kommen wird. Dieses Gr. III-Rennen wird in Flemington ausgetragen, führt über 2500m und als Reiter konnte Kerrin McEvoy verpflichtet werden. Alles Weitere gibt's dann vorm Rennen.


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The ConquerorThe ConquerorSea ShepherdSea Shepherd
LascaloLascaloLoveisthehigherlawLoveisthehigherlaw
Majestic ColtMajestic ColtZerostressZerostress
Legal RightsLegal Rights 

Noch sechs Tage bis der Trainer wieder in Freiheit entlassen wird und da sich mittlerweile natürlich eine gewisse Langeweile breit macht, ist der morgige Renntag eine willkommene Abwechslung und Starter gibt es auch genug, die er verfolgen kann.


In der Regel findet man ja die eigenen Kinder schon immer klüger und talentierter als die anderen. Einem Pferdebesitzer geht es da meist auch nicht anders und wenn die Sportwelt den selbst gezogenen The Conqueror bei seinem Debüt im Preis des Gestüts Haus Zoppenbroich gleich an erster Stelle tippt, fühlt man sich schon direkt gebauchpinselt. Wie bereits mal an anderer Stelle geschrieben, war der The Gurkha-Sohn als Fohlen nicht gerade ein Riese und als der Trainer ihn immer öfter „das Gürkchen“ nannte, musste da ganz schnell ein Riegel vorgeschoben werden. Am besten mit einem Namen, der auch eine Verpflichtung sein sollte und so wurde aus ihm The Conqueror. Die Welt hat er noch nicht erobert aber viele Menschen – TC, wie er genannt wird, ist ein ausgesprochen liebenswürdiges Wesen, will immer alles richtig machen und irgendwelche Pubertäts-Flegeleien sind ihm vollkommen fremd. Bäume hat er in der Arbeit noch nicht ausgerissen, ist aber auf einem guten Weg und bevor man ihn jetzt immer weiter arbeitet, kann er auch laufen und Rennerfahrung sammeln. Ob er sich auf Anhieb platziert oder eben nicht, gespannt sind wir auf jeden Fall.


Jean-Pierre Dubois' Sea Shepherd ist ja ein sehr tiefenentspanntes Mädchen und so lief sie auch bei ihrem Debüt in Baden-Baden. Alarmglocken werden bei ihr nie schrillen aber zumindest scheint sie jetzt schon mal leise den Wecker zu hören und wir hoffen, dass sie im Preis der Norddeutschen Gestüte IDEE und Fährhof dann richtig wach ist.


Ob das so stimmt, können wir ihn ja leider nicht fragen aber in Dresden hatten wir den Eindruck, der Ittlinger Lascalo hätte gewonnen, hätten ihm die Scheuklappen nicht die Sicht auf den Gegner genommen und im Waldpfad-Rennen trägt er nun lediglich Seitenblender. Die helfen ihm, sich zu konzentrieren aber er weiß trotzdem noch, dass er auch was tun muss.


Loveisthehigherlaw – „Liebe ist das höhere Gesetz“ ist nicht nur ein toller Name, auch die Stute, welche die Interessen von Team Valor vertritt, gefällt richtig gut. Nach ihrer Ankunft war sie etwas quengelig aber bereits ein paar Tage später machte die Kodiac-Tochter den Eindruck als wäre sie schon ewig auf Ravensberg. Sie ist den Menschen sehr freundlich gesonnen und auch auf der Bahn ausgesprochen umgänglich. Gruppe- und Listenplatzierungen hat sie schon, ein Sieg in dieser Kategorie wird im Großer Preis der Mehl-Mülhens-Stiftung angestrebt. Keine leichte Aufgabe mit vielen starken Gegnerinnen aber leicht sind solche Rennen zu dieser Zeit des Jahres nie. Russian Souffle wird nicht an den Start kommen, sie macht jetzt Winterpause.


Unterm Reiter ist er easy und macht bei allem mit aber in seiner Box ist Jaber Abdullahs Majestic Colt schon ein kleines Monster, schnappt nach Jacken, Armen, Fingern wie ein Piranha und ist tierisch verfressen. Selbst wenn er gerade eben erst eine große Ladung Heu in die Box bekam, schreit er nach mehr wenn er nur von Weitem jemand mit einer Heugabel sieht. Im Großer Preis der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover trägt er Höchstgewicht aber die Bahn in Hannover liegt ihm, gegen elastischen Untergrund hat er nichts und gut drauf ist er auch. Also, warum nicht?


Der Ittlinger Zerostress kommt in Mailand im Premio Omenoni an den Start. Es geht gerade mal über 1000m und die Strecke könnte eventuell ein paar Meter zu kurz sein aber die letzten Arbeiten fielen so aus, dass man es mit ihm in diesen Listenrennen probieren wollte.


In die andere Richtung hat es den Ebbesloher Legal Rights verschlagen, wir sehen ihn im Prix de La Fédération de l'Est, einem Verkaufsrennen über 2400m. Der hübsche Fuchs kam noch bei keinem seiner Starts ohne Geld nach Hause und das sollte auch morgen nicht anders sein.


Da konnte die komplett anwesende Stallmannschaft noch so laut den Laptop anschreien – es blieb beim vierten Platz für Ashrun. Der Hengst kam zum Schluss noch riesig auf und war schnellstes Pferd aber der Pfosten stand einfach zu früh. Craig Williams meinte nach dem Rennen, dass Ashrun der Kurs überhaupt nicht gelegen hätte und er unterwegs direkt etwas ins Schwimmen geriet. In Flemington wird der großzügige Kurs kein Problem sein und die weitere Distanz wird ihm ebenfalls entgegenkommen. Nicht mal drei Stunden nach dem Rennen kamen schon die ersten Fotos von Ashrun und wie man sieht, das Essen schmeckt ihm schon wieder. Craig Williams war übrigens auch Protectionist's Reiter, als dieser in den Herbert Power Stakes Vierter wurde und anschließend den Cup gewann.


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Marika Kilius mit Hans-Jürgen Bäumler, Ginger Rogers mit Fred Astaire – Rastislav Juracek und Ashrun können sich nahtlos in die Reihe von Traumpaaren einreihen und verstehen sich mittlerweile blind. Kiki Trybuhl macht derweil den Kameramann und der Trainer wird jeden Tag mit zig Videos versorgt. In der Box, beim Schrittgehen, Traben, Galoppieren, davor und danach, von hinten und von vorne. Ashrun kann nicht mal pupsen ohne dass es mit der Kamera festgehalten wird. Es wird aber insgesamt viel gefilmt da alle anderen Pferde ebenfalls nur mit ihren Betreuern unterwegs sind und der Trainer ist auch der Einzige, der zum Cup vor Ort sein wird. Zehn lange Tage hat er noch vor sich bevor er in Freiheit entlassen wird. Um kein Geschirr zu „kontaminieren“ sind Teller, Schüsseln und Besteck aus Plastik. Das und die Essensreste werden in einem Müllsack auf dem Zimmer gesammelt und wenn er voll ist, darf man ihn vor die Tür stellen. Wie die Zimmertür überhaupt eine sehr wichtige Rolle spielt. Da wird das Essen abgestellt, das frische Bettzeug und Putzzeug deponiert und dort patrouilliert auch die Militärpolizei, welche darüber wacht, dass keiner der Insassen sein Zimmer verlässt. Des Trainers Aktivitäten sind zwar stark eingeschränkt aber er hat an allem regen Anteil. Die neun Stunden Zeitunterschied sorgen dafür, dass er gleichbleibend über den Tag verteilt mit Videos aus Werribee oder Ravensberg versorgt wird, sowie telefonisch in alle anstehenden Dinge miteinbezogen ist. Dass er morgen nicht persönlich bei Ashrun's ersten Australien-Start im bet365 Geelong Cup dabei sein kann, brennt ihm natürlich unter den Nägeln aber zumindest ist ihm eine gute TV-Übertragung sicher. Nachdem bereits zwei der Protagonisten, u.a. der Ex-Ittlinger Sound, gestrichen wurden, beziehen im Moment noch neun Pferde ihre Box in dieser Gruppe III-Prüfung. In der Breite ist das Rennen stark besetzt und könnte sich Ashrun platzieren wäre das als Auftakt schon eine gute Ausgangsposition. Im Moment ist der Hengst noch nicht startberechtigt für den Cup aber in den nächsten zwei Wochen wird sich erfahrungsgemäß noch viel tun. Aber jetzt konzentrieren wir uns erstmal auf den Start morgen und hoffen, dass sich Rasti's und Kiki's großes Engagement bezahlt macht.


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Wiesentau --  Foto: RühlWiesentau -- Foto: RühlPrincipe  --  galoppfoto.dePrincipe -- galoppfoto.de

Es ist ja nicht so, dass man jedes Wochenende auf die Rennbahn fährt und zig „Tutti-Dinger“ auf dem Wagen stehen hat. Da gibt es schon auch oft Bedenken – passt die Distanz, der Boden, braucht es vielleicht noch den Start, oder was auch sonst immer einem Sieg im Weg stehen könnte. Aber manchmal fährt man auf die Bahn und weiß, alle Pferde haben toll gearbeitet und sind super auf dem Posten aber es kann so oder eben auch so ausgehen weil auf dem Papier viel zu viele mit ebenfalls guten Chancen antreten. So wie gestern.


Der Ravensberger Wiesentau zeigte sich in den letzten Wochen von seiner besten Seite und man konnte schon richtig Mumm auf ihn haben aber bei einem Debütanten ist das ja immer so eine Sache und ganz sicher waren wir uns nicht. Wäre er nur platziert gewesen, hätten wir uns auch gefreut aber der Mukhadram-Sohn machte wenig Federlesen mit seinen Kollegen und stiefelte schnurgerade nach Hause als hätte er heimlich geübt. Selbst als Bauyrzhan Murzabayev noch aufwendig die Spur wechseln musste, brachte das den Hengst nicht auch nur für eine Sekunde aus dem Takt. Bis auf eine Gr. III-Platzierung von Wiesenbach in Italien hat sich noch keines seiner Geschwister besonders hervorgetan aber Wiesentau machte es dann wie seine Mutter, die mehrmalige Gruppe-Siegerin Wurfscheibe, und legte gleich beim Debüt die Maidenschaft ab. Diesen Sieg kann man durchaus als imponierend bezeichnen und Familie Delius sollte nächstes Jahr viel Spaß mit diesem Hengst kriegen.


Was die Chancen von Scipio und Principe im Ferdinand Leisten-Memorial anging, schieden sich am Stall die Geister und aufgrund der Arbeitsleistung sahen nicht wenige Scipio vor Principe. Beide Hengste machten daheim einen äußerst fidelen Eindruck und Principe war sogar so übermütig, dass er Donnerstag und gleich nochmal am Freitag seine Reiter ins Gras setzte. Und wie viel Energie in ihm steckt, zeigte er dann auch im Rennen. Vom fast letzten Platz kommend schob sich der Hengst wie ein Bulldozer durchs Feld und konnte sich am Ende auf fünf Längen von seinen Kontrahenten lösen. Das sah schon richtig gut aus und einmal mehr ein toller Erfolg für seinen Reiter Bauyrzhan Murzabayev, der einem mit seiner Form langsam direkt unheimlich wird und wir sind uns mittlerweile sicher, unterm Dress trägt er diesen blau/roten Anzug. Scipio's Laufen dagegen war etwas enttäuschend. Der Hengst wirkte anfangs sehr eifrig aber ab Ende Schlussbogen schien es, er hätte viel zu früh sein Pulver verschossen.


WiesentauWiesentauScipioScipio
PrincipePrincipe 

Jetzt haben wir in der Hektik der letzten Tage Loft's Nachschau vergessen. Bis alle Protagonisten verstaut waren – oder am Ende dann nicht – dauerte es ewig und beim Zuschauen verlor man schon fast die Geduld. Loft dagegen ließ alles sehr entspannt über sich ergehen und Bauyrzhan Murzabayev musste direkt aufpassen, dass er ihm nicht vollends einschlief. Nicht unerwartet fehlte dem jungen Mann noch etwas der Esprit aber insgesamt sind wir mit dem Debüt zufrieden.


In Baden-Baden macht Wiesentau im das neue welle Auftaktrennen den Anfang. Der Mukhadram-Sohn war bereits als Fohlen ein echter Bulle und überragte aufgrund seines frühen Geburtsdatums auch schon immer seine Kollegen auf der Koppel. Wenn er es mal eilig hatte, ging man ihm besser aus dem Weg, wollte man nicht einfach umgepflügt werden. Als er in den Rennstall kam, konnte er durchaus auch rüde werden und wenn jemand denkt, Norman Richter würde einem den Stinkefinger zeigen – das sieht nur so aus, es ist lediglich der Finger, der ihm Wiesentau gebrochen hat. Mittlerweile ist der Ravensberger aber ein angenehmer Geselle geworden und sollte sich morgen nicht blamieren.


Im Ferdinand Leisten-Memorial geht ein wirklich lustiges Duo an den Start. Der abgedrehte, pfiffige Scipio, der jederzeit die Rolle des kleinen Ganoven besetzen könnte und daneben dieser Bolide Principe, der einen oft anschaut als könne er nicht bis drei zählen aber eben die richtige Maschine unter der Haube hat. Es gibt sieben Platzgelder und bei einem fairen Rennverlauf müssten beide auch Geld abkriegen.