Torben Missun
Hannover
Deutschland
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Deckplan Torben Missun

von Frauke Delius

Quelle: Turf-Times vom 28.02.2011

"Da ist", so Volker Linde vom  Gestüt Lindenhof am Telefon, "ein bemerkenswerter Beitrag im Galopper-Forum in der Rubrik 'Deckpläne - und die Ideen, die dahinter stecken" zu lesen, den solltet Ihr Euch mal anschauen. Ein solches Lob aus berufenem Züchtermund macht natürlich neugierig, umso mehr als der Autor, Torben Missun nämlich, ein (fast) gänzliches unbeschriebenes Blatt in der deutschen Galopperszene ist. Man kennt ihn auf den Rennbahnen im Norden, in  Hannover, ("da arbeite ich auch beim Toto mit"),  Hamburg,  Bremen und  Bad Harzburg, "ein bis zweimal im Jahr bin ich auch in  Düsseldorf."  In der Datenbank des  Direktoriums taucht er nur als Besitzer eben jener Alexa auf, mit der er sich jetzt "einen Lebenstraum erfüllen will". Bei Torben Missun aus Hannover, der mit seinen 35 Jahren einer eher seltenen und schmerzlich vermissten Altersgruppe auf deutschen Galopprennbahnen angehört, klingt das dann auch mal ganz munter so: "Ich finde es einfach geil, ein Rennpferd zu züchten".

Dass diese Entscheidung dennoch mehr als überlegt ist, zeigt nicht nur der nachfolgende Beitrag aus dem Galopperforum, den wir auch mit freundlicher Genehmigung der Betreiberin  Ulrike Arnold an dieser Stelle veröffentlichen, sondern auch diese in vielen Jahren im Galopprennsport gewonnene Erkenntnis: "Ich bin Kummer gewöhnt und nicht verwöhnt". Anfangen hat alles 1994, mit einer Freikarte für die  Neue Bult, "da bin ich mit meinen Freunden zum ersten Mal auf die Rennbahn gegangen. "Wiedergekommen bin ich als Einziger", so Torben Missun, "entweder klappt es mit der Begeisterung für den Rennsport gleich oder gar nicht". Bei ihm hat es richtig geklappt, theoretisch sowieso.

"Erfülle mir einen Lebenstraum" - (Neu)Züchter Torben Missun aus Hannover. Foto privat"Erfülle mir einen Lebenstraum" - (Neu)Züchter Torben Missun aus Hannover. Foto privat"Die Zucht hat mich von Anfang an interessiert", heißt es, "aber ich musste eben so lange warten, bis ich mir das auch leisten kann." Bis dahin hat er sich die Wartezeit mit der Beteiligung an diversen Besitzergemeinschaften vertrieben, dem Club Neue Bult, dem  Stall Silbereiche, dem  Stall Unikat und dem  Stall TSF. In den ganzen Jahren stand Torben Missun dabei nur ein einziges Mal mit dem Stall TSF als Sieger auf dem Podest, in Hamburg nach dem Sieg von  Diora im Tarantella-Rennen, einem Ausgleich IV. So darf davon ausgegangen werden, dass die Erwartungen keine überbordenden sind.

Den Kontakt zu der früheren Besitzerin von Alexa,  Doris Schmidt, gibt es schon lange, "und ich habe immer schon mein Interesse an der Stute bekundet. Als Alexa auf dem Markt kam, habe ich entschieden, dass es jetzt mit der Züchterei losgehen soll, schließlich wird einem so ein Pferd nicht alle Tage angeboten." Für den kaufmännischen Angestellten eine Entscheidung, die wohl überdacht sein will. Seit dem 13. Februar ist Alexa jetzt in Frankreich, auch wenn die Auslandsbedeckung zusätzliche Kosten bedeuten. "Aber, dann gibt es in diesem Jahr für mich eben keinen Urlaub", so der passionierte (Neu)Züchter.

"Auch, wenn Geduld nicht gerade eine meine Stärken ist", so Missun, "ich weiß, dass ich mindestens bis 2014 warten muss, um zu sehen, was aus dem ersten selbstgezogenen Pferd geworden ist." Bis dahin sollen die Beteiligungen an zwei Rennpferden die Wartezeit erträglich machen. Da gibt es zum den vierjährigen  Alexis, den rechten Bruder von Alexa, im Rennstall von  Hans-Jürgen Gröschel, und die zweijährige Sternkönig-Stute Obvious Star, die für eine neue Besitzergemeinschaft unter dem Namen Stall Ad Astra möglichst bald an den Start kommen soll.   

 

Die Idee, die hinter meinem Deckplan steckt

von Torben Missun

Meine Stute ist  Alexa v.  Areion a. d.  Arween

Alexa lief bereits zweijährig und schrammte dort einmal um Kopflänge am Sieg vorbei. Dreijährig gewann sie vier Rennen, darunter zweimal  einen Agl. II und war im Agl. I um Kopf und Hals geschlagen Dritte. Vierjährig versuchte man es mit ihr auf Listenebene, sie lief dort immer brav ihre Form aus und wurde zweimal Dritte, ein paar Mal noch 4. und 5.

Sie kam immer mit Speed von hinten und suchte sich auf dem Weg nach vorn auch Lücken, die nicht da waren. Auf der Suche nach einem Hengst habe ich mich an diesen Kriterien orientiert - ich wollte einen frühreifen Hengst mit Endspeed.

Areion als Mutterstutenvererber ist ja noch ein unbeschriebenes Blatt, so dass ich da keine funktionierenden Nicks zur Verfügung habe. Ich hab mir also angeschaut, mit welchen Broodmare Sire Areion als Vater gut funktionierte.

Dann habe ich mir Alexas Familie angeschaut, auch weiter entfernte Zweige, um Hinweise auf passende Hengste zu bekommen. Bis in die Fünfziger Jahre war diese alte  Waldfrieder Familie eine der Säulen des Gestüts mit hervorragenden Pferden, aber dann wurde es still. Erst seit Ende der Achtziger geht es wieder voran und es waren immer wieder  Königsstuhl,  Lomitas oder Big Shuffle, die den Pferden wieder Beine machten.

Die Wahl fiel auf Le Havre. Foto Haras de la CauvinièreDie Wahl fiel auf Le Havre. Foto Haras de la CauvinièreFündig wurde ich dann bei und mit Le Havre. Ich erachte den Hengst als absolut perfekt für die Stute. Er ist ein frühreifer Hengst, der damals in Criterium International (Gr. I) als Favorit an den Start ging, da aber am tiefen Boden scheiterte. Er war auf jeden Fall einer der besten französischen Zweijährigen.

Dreijährig schlug er in einer langen Kampfpartie in einem Listenrennen Naaqoos und zog diesem damit für alle Zeiten den Zahn. Sein Meisterstück lieferte er im französischen Derby ab, als er keine Opposition duldete und leicht gewann. Vermutlich weil er jedoch immer weiter ging, auch wenn er bereits die Glocken läuten hörte, konnte er nach dem Derby wegen eines Sehnenschadens nicht mehr herausgebracht werden.

Le Havres BMS (Broodmare Sire) ist Surako - und aus einer Surako-Stute brachte Areion Globus (Winterfavorit) und Go Go Gadget (norwegischer Derbysieger) - und im Pedigree des erwarteten Produkts von Alexa steht Surako eine Generation hinter Areion. Gleichzeitig bekomme ich über Surako Königsstuhl-Blut.

Alexas bester Bruder Alex stammte von Local Suitor, einem Hengst der Blushing Groom-Linie. Le Havre stammt über Noverre und Rahy auch aus dieser Linie. Und darüber hinaus, und das ist möglicherweise doch schon sehr weit hergeholt, lieferte Le Havres Onkel Polar Falcon mit einer Stute aus der Familie 7 sein Meisterstück ab - Pivotal. Es soll ja Leute geben, die sich an sowas orientieren.

Das waren meine Gründe für meine Zuchtentscheidung 2011.

Wenn auch Sie Ihren Deckplan und Ihre züchterischen Pläne vorstellen möchten, dann schreiben Sie uns bitte an info@turftiimes.de.

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