Stephen Hellyn im Porträt: "Wer Erfolg haben will, muss sportlich denken."
Ein guter Anlass für ein Interview mit Stephen Hellyn. Ein angedachtes Treffen an seiner neuen Wirkungsstätte in Köln klappt nicht, sodass wir Stephen Hellyn nach einem Renntag treffen. Er ist kein Lautsprecher oder Selbstdarsteller, wirkt eher ruhig und bescheiden. Seine Ziele sind jedoch durchaus anspruchsvoll, er will weiter nach oben. Der Wechsel von Mülheim nach Köln zu Waldemar Hickst bzw. Klaus Hofmann vom Stall Lucky Owner soll nach Möglichkeit der erste Schritt sein. Die Voraussetzungen sind dabei ideal. Mit 29 Jahren ist Stephen Hellyn fast fünfzehn Jahre jünger als die Topjockeys der vergangenen Jahre, ein Mann für die Zukunft also. Stephen Hellyn wünscht sich eine ähnlich gute Saison wie 2014. „Ich hoffe, dass ich gesund bleibe und eine gute Saison hinlege. Ich hoffe, am Ende des Jahres wieder unter den Top 5 zu sein und ein Grupperennen zu gewinnen.“
Stetig, unermüdlich, still und leise folgte der Weg nach oben. Step by step,
| Steckbrief Stephen Hellyn | |
| Geboren: | 17.02.1986 |
| Position/Stall: | Privatjockey für Klaus Hofmann, Jockey am Stall bei Waldemar Hickst |
| Niedrigstes Gewicht: | 53 Kilo nach Absprache |
Anzahl Siege: | Etwa 350, am Anfang waren das immer nur so 10 Siege pro Jahr, ich bin ja auch nicht viel geritten. Es ging erst in den letzten Jahren richtig los. |
| Größte Erfolge: |
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| Jockey seit: | Seitdem ich 15 bin. Ich habe meine Ausbildung mit Ende 15 begonnen. In Belgien sind Amateure nicht üblich. Wenn man leicht ist, geht man in die Ausbildung. Aber ich habe das immer als Hobby gemacht. Ich habe erst mit 21 entschieden, das beruflich zu machen. |
Was haben Sie davor beruflich gemacht? | Ich habe die Schule zum Elektroniker besucht und bei meinem Vater auf dem Markt gearbeitet. Mittags habe ich dann zwei Stunden Pferde geritten, vor allem bei Besitzertrainern. Rennen habe ich dann immer hobbymäßig geritten. Im Laufe der Zeit ist das mehr und mehr geworden. |
Seit wann reiten Sie (vermehrt) in Deutschland? | Seit 2007 etwa. In Belgien waren damals sonntags wenig Rennen, weshalb ich begann, sonntags in Holland zu reiten. So kam es, dass ich bei Jan Pubben anfing, zunächst ein Tag in der Woche. Ich konnte dann in Holland Rennen gewinnen, auch das Derby und ritt in der Folge immer mehr bei Jan Pubben, erst zwei, dann drei Tage und schließlich die ganze Woche lang. Ich bin dann auch nach Holland gezogen und habe dort gewohnt. |
Was waren die nächsten Stationen? |
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| Wie kam es zu der Verbindung mit Schlenderhan? | Ich hatte Anfang des Jahres im April in Köln im Stutenrennen die zweite Farbe bekommen, weil nicht mehr so viele Jockeys frei waren, glaube ich. Jens Hirschberger hat mir dann die Chance gegeben, ich hatte Glück und konnte das Rennen (mit Guantana) gewinnen. Das war mein Einstieg. Bei Schlenderhan war ich ungefähr zweieinhalb Jahre. Dann kam eine kurze Zeit bei Markus Klug, bis ich einen Anruf von Werner Baltromei erhielt, der keinen Jockey hatte und mir ein schönes Angebot machte. Ich habe dann mit Markus gesprochen. Zu dem Zeitpunkt hatte ich ja auch noch nicht so viele Rennen gewonnen und noch nicht so viel Erfahrung. Er hat mir dann gesagt, ich solle es machen. Ich bin auch sehr froh, zu Werner Baltromei gegangen zu sein, weil ich dort sehr, sehr viel gelernt habe. Er hat mich sehr unterstützt und mir auch nach der Arbeit noch Tipps gegeben, mir anhand von Rennvideos gesagt, was ich gut oder schlecht gemacht habe. Nach seinem Tod bin ich erst bei William Mongil geblieben, bis Jens Hirschberger nach Mülheim kam. Und seit diesem Jahr bin ich in Köln bei Waldemar Hickst für Klaus Hofmann. |
Sie hatten letztes Jahr eine Bombensaison, so gut wie noch nie… | 109 Siege hatte ich (davon 79 in Deutschland) |
Können Sie sich erklären, warum das so gut funktioniert hat? |
In Belgien bin ich letztes Jahr mit 26 Siegen Champion geworden. Der Zweite hatte 14 und dabei bin ich zwei Monate gar nicht mitgeritten. Das war mein erstes Championat. Ich habe eigentlich auch nie viel in Belgien geritten, mehr in Holland. Meine Anfänge lagen in Belgien, klar, aber als Hobby. Dem Rennsport ging es zu dem Zeitpunkt so schlecht, dass man kaum dort arbeiten konnte, das lohnte sich nicht. Dass ist durch die PMU-Renntage besser geworden und ich habe dadurch die Chance, dort mehr zu reiten. Ich mag die Bahn auch, komme gut klar damit. |
Wie sind Sie zum Rennsport gekommen? | Mein Vater hat Rennpferde gehabt, aber auch nicht so viele, nur in kleinem Rahmen. Ich habe mit Ponyrennen begonnen, besaß auch ein eigenes Pony, das mit Vollblütern im Stall stand und so kam ich da rein. |
Haben Sie Vorbilder? | Ja. Adrie ist ein Vorbild. Er hat auch sein ganzes Leben in Holland geritten, war 13mal Champion. Er wird auch nicht jünger, aber er reitet immer weiter und verbessert sich jedes Jahr noch. Jetzt reitet er in Dubai mit, ist in den Top 10 der Jockeystatistik, reitet für Godolphin und so und er wird 46 dieses Jahr, das ist schon ein Vorbild. Und naja, Soumillon finde ich auch geil. Er ist natürlich auch Belgier und ein sehr guter Jockey mit viel Gefühl für die Pferde. |
Wenn Sie mal so ein Angebot für den Winter bekämen, wo würden Sie gern hin? | Ich war jetzt im Winter bei Adrie in Dubai, das ist schon schön dort, aber es ist nicht leicht, einzusteigen. Erst muss man überhaupt einen Vertrag bekommen. Und wenn man dann hinfährt, will man natürlich auch Rennen reiten und nicht nur die Arbeiten. Da bleibe ich vorerst lieber hier und reite auf der Sandbahn. |
Haben Sie ein Lieblingspferd? | Nein, nicht wirklich. Aber generell mag ich gern Speedpferde. |
Welches Rennen würden sie gern mal gewinnen? | Das deutsche Derby. Wie alle anderen auch. |
Die meistgenannten Antworten sind Derby und Arc. | Ja… der Arc ist ja… da muss man erst mal reiten. Ich war schon froh, dass ich letztes Jahr meinen ersten Ritt im Derby bekommen habe. Da einen Ritt zu bekommen, ist auch nicht leicht. Ich war Vierter, das Pferd (Eric) ist riesig gelaufen, das war schon toll. Aber man will immer mehr, man ist nie zufrieden. Wenn man zufrieden ist, sollte man aufhören. Wer Erfolg haben will, muss sportlich denken: Immer weiter, immer mehr. |
Wo sehen Sie sich in zehn Jahren? | Im Rennsattel, ich bin ja erst 29. |