Lennart Hammer-Hansen im Porträt: "Es hat wieder gekribbelt!"
| Geburtstag: | 15.08.1972 |
| Jockey seit: | Beginn der Ausbildung 1989 |
| Stall: | Privatjockey bei Ferdinand Leve |
| Stationen der Karriere: | "Ich habe anderthalb Jahre in Dänemark gelernt und bin dann nach Iffezheim zu Trond Hansen gekommen. Nach eineinhalb Jahren sind wir nach Krefeld umgezogen. Dann war ich ein halbes Jahr bei Andreas Löwe, Terence Hellier war damals dort Stalljockey. Dann kam ein Angebot von Erika und Lutz Mäder, dort als zweiter Mann hinter Lutz Mäder zu reiten. Das war mein Sprungbrett zu Stall Asterblüte. In dem Jahr habe ich 67 Rennen gewonnen. Da kam ein Anruf von Rolf Leisten und so war ich zwei Jahre bei Heinz Jentzsch zweiter Stalljockey hinter Peter Schiergen. Danach war ich anderthalb Jahre bei Uwe Ostmann, dann wieder bei Hansen und Mäder. Dreimal war ich bei Mäder, dazwischen allerdings sechs Jahre in Skandinavien. Und jetzt bin ich Privatjockey bei Ferdinand Leve und seiner Frau Janet Leve-Ostermann. Und bei Helmut von Finck war ich auch noch zwei Jahre lang. Dort war ich auch sehr gern. Er stand auch nach dem Unfall im Jahre 2002 voll hinter mir und hat mich alle seine Pferde reiten lassen bei meinem Comeback 2003. Das werde ich ihm nie vergessen."
|
| Es läuft gut am Stall, wie kommt das? | "Die Leute spekulieren ja immer, wenn es auf einmal so steil bergauf geht, was machen die? Was geben die? Was füttern die? Was machen die anders? Aber die Qualität der Pferde ist vorhanden, super gezogen über viele Jahre hinweg, gutes Training, alle Möglichkeiten, gute Mannschaft. Wir können in Ruhe arbeiten, uns stört keiner. In Köln sind jeden Morgen 600 Pferde auf der Bahn. Ich habe dort zehn Jahre gearbeitet und jeden Dienstag, wenn Grasgalopp ist, ist dort Krieg. Die wollen natürlich alle als erstes auf der Grasbahn sein, die beste Spur haben. Wenn zwei Ställe durch sind, sind schon vierzig Pferde darüber galoppiert. Und das haben wir hier nicht. Wir können rausgehen, wenn es uns passt, je nach Wetter. Ein paar Mal im Frühjahr oder vor fünf Wochen, wo die Bahn so nass war, haben wir gesagt, wir gehen nachmittags reiten. Die Sonne kam raus und bis mittags war alles getrocknet und wir konnten unsere Pferde nachmittags arbeiten. Das geht ja in Köln auch nicht, um ein Uhr ist die Bahn zu." |
Ist das für Sie sehr anders hier? | "Ich kenne Warendorf aus meiner Lehrzeit. Als ich bei Trond Hansen in Krefeld gelernt habe, hatten wir Besitzer aus Baden-Baden, der Stall Nordpol, der in Warendorf seine Pferde von Georg Ording hat trainieren lassen und dorthin hatte ich meinen zweiten Ruf vergeben. Daher kenne ich Warendorf seit 20 Jahren. Die Anlage selbst kannte ich natürlich nicht. Aber ich habe ja bei Schlenderhan gearbeitet, das Gelände hat Ferdinand Leve ja entworfen und daher kenne ich die Möglichkeiten einer privaten Anlage."
|
| Wie organisieren Sie sich zwischen Iffezheim und Warendorf? | "Ich habe ein Hotel fünf Minuten vom Stall entfernt, wo ich zweimal pro Woche übernachte. Wenn jemand ausfällt, werden es auch mal drei. Dann bleibe ich auch gerne einen Tag länger. Aber im Normalfall komme ich sonntags oder montags hochgefahren und bleibe zwei Tage hier. Für die Fahrt von Iffezheim hierher brauche ich etwa vier Stunden, aber das ist okay. In meinem Job muss man viel reisen. Freitags reite ich dann meist in Iffezheim als Freelancer aus. Die Trainer rufen mich an und wir machen dann zwei, drei Lots für freitags aus. Donnerstags habe ich meist frei. Dann kann ich das kompensieren, denn am Wochenende geht es ja wieder los. Reisen muss man viel in diesem Sport." |
Man muss schon eine Passion für diesen Beruf haben, oder? | "Ja, ich war auch als ich Bus gefahren bin, ein- bis zweimal die Woche am Stall ausreiten. Es ist nicht so, dass ich mit Pferden nichts zu tun gehabt hätte. Ich war auch mit dem Stall verbunden und bin auf der Rennbahn geritten. Aber ich wollte einfach nicht mehr planen müssen, ich habe gesagt bekommen, wie ich die nächsten fünf Tage arbeiten muss usw. Das war das, was für mich wichtig war. Ohne die Pause hätte ich vielleicht noch zwei Jahre weiter gekämpft und dann ganz aufgehört." |
Und jetzt macht es wieder Spaß und es ist kein Kampf mehr? | "Jetzt macht es wieder Spaß. Ich glaube, das sieht man auch!" |
Was würden Sie gerne noch im Rennsport erreichen? | "Wenn das mit dem Stutenderby am 4. August klappt, wäre das natürlich schon toll. Ansonsten wäre es schön, wenn die Form hält und wir die Saison so zu Ende führen könnten, wie sie begonnen hat. Ansonsten natürlich so viele Erfolge wie möglich, gerade die großen Rennen sind das, was wichtig ist. Das sind die Ziele, die ich noch habe. Mein größtes Ziel habe ich mit dem 1000. Sieg erreicht. Aber ich nehme jeden Sieg gerne an und das ist es auch, für das wir täglich arbeiten. Ich hoffe, dass es so weitergeht, denn es läuft ja fantastisch. Baden-Baden steht ja auch vor der Tür, da gut abzuschneiden, wäre toll." |
Was bedeutet Ihnen der 1000. Treffer? | "Sehr viel. Das war der Ansporn für mich nach dem Unfall vor zwei Jahren. Da habe ich gedacht: Mir fehlen 47 Siege, das kann ich so nicht stehen lassen. Das habe ich jetzt geschafft. Dank der Zusammenarbeit mit Ferdinand Leve und seiner Frau ist es schneller gegangen und ich habe es geschafft. Das geht fast über alles. Der Weg zu den 1000 war nicht einfach für mich und deswegen war es auch so emotional. Dazu stehe ich auch. Ohne den Rückhalt meiner Familie wäre es auch nicht zustande gekommen. Meine Frau hat immer gesagt: Mach, was für dich richtig ist, wenn es dir Spaß macht und du den Kopf frei hast, trainiere hart dafür und mach es." |
Haben Sie einen Aberglauben? | "Ja, Aberglaube gehört zum Rennsport dazu. Aber bei mir ist das nicht so extrem. Ich weiß zum Beispiel nicht genau, welche Gurte ich benutzt habe, weil ich ja einen Jockeydiener habe und fünf Paar Gurte dort hängen. Aber ich könnte zum Beispiel den gleichen Sattel oder die gleiche Brille nehmen. Und wenn ein Pferd noch nie gelaufen ist, muss man einmal auf die Farben treten, das bringt Glück sagt man. Das habe ich als Stift schon gelernt." |
Gibt es ein Rennen, das Sie mal gewinnen wollen? | "Der Arc ist für jeden Jockey das Rennen, was er gewinnen will. Und natürlich das Derby, welches ist egal, Derby ist Derby. Ich habe die klassischen Rennen durch. Der Arc wäre natürlich super, aber das ist natürlich sehr schwer. Der Große Preis von Baden und der Preis von Europa wären natürlich auch toll, große Rennen mit Geschichte dahinter." |
Haben Sie Vorbilder? | "Ja, ich habe Cash Asmussen gehabt, als ich jung war. Der hat dann ja leider aufgehört, aber seine Menschlichkeit, sein Charakter haben mir imponiert. Er hatte immer Zeit für andere Leute, war nie arrogant und ein superklasse Reiter. Das hat mich beeindruckt. Wenn einer kam und ein Autogramm oder ein Foto wollte, hatte er immer Zeit. Andere Jockeys tragen die Nase hoch und so was finde ich nicht gut. Der war mein Vorbild, als ich selber Lehrling war. Ich kenne ihn auch persönlich. Er wohnt seit acht oder zehn Jahren in Texas und ist ein sehr netter Mensch."
|
Was sind Ihre besonderen Stärken oder Schwächen? | "Man soll sich ja selber nicht beurteilen, das sollen andere tun, aber das, was mir gesagt wird, ist, dass ich endkampfstark bin. Ich habe einen guten Überblick und kann Rennen auch von hinten einteilen. Das ist das, was so gesagt wir, aber endkampfstark fühle ich mich selber auch. Und ich finde, ich habe ein gutes Tempogefühl." |
Welches Gewicht können Sie reiten und was müssen Sie dafür tun? | "Ich reite sehr bequem 54,5 Kilo und 53,5 reite ich, wenn etwas Wichtiges ist oder wenn Rennwoche ist, in der wir fünf, sechs Tage die Woche reiten. 54 oder 54,5 ist ein Gewicht, wo ich mich immer stark auf dem Pferd fühle und immer meine Leistung bringen kann. Ich habe auch 52 schon probiert, aber das bringt keinem was, weder dem Trainer noch mir. Das Übrige ist kein Problem, viel laufen und Fahrrad fahren, dann klappt das." |
Was machen Sie, wenn Sie von Pferden die Nase voll haben? | "Ich gehe Golf spielen, das ist mein Ausgleichssport, oder es geht mit der Familie an den Baggersee, also Familie und Golfen. Da kann ich abschalten." |