Daniele Porcu im Porträt: „Ich habe noch ganz viel zu zeigen!“
„Das erste Mal wieder auf Gras reiten! Das Gefühl habe ich fast vergessen.“, freut sich Daniele Porcu schon auf die am Sonntag beginnende Turfsaison. Und während die Abendsonne ihre schon wärmenden Strahlen über den Rhein wirft, ist es unbestreitbar, der Frühling naht. Eine gute Gelegenheit für Turf-Times, die Porträtreihe weiterzuführen. In Düsseldorf, Daniele Porcus Wahlheimat seit einigen Jahren, treffen wir uns zum Interview. Obwohl Daniele Porcu nach Stationen bei Mirek Rulec, Uwe Ostmann und Sascha Smrczek nun schon seit mehr als zwei Jahren erst bei Markus Klug und nun bei Peter Schiergen arbeitet, wohnt er nach wie vor in Düsseldorf. „Ich habe hier Wurzeln geschlagen“, sagt er. Zudem habe er es aus dem Süden der Landeshauptstadt nicht weit nach Köln.
Seine reiterliche Zukunft sieht Daniele Porcu in Deutschland. Einmal wechseln reicht. „Als mich Mirek Rulec damals gefragt hat, ob ich nach Deutschland kommen und für ihn reiten will, konnte ich mir das nicht vorstellen.“ Das war in der Zeit, nachdem Daniele Porcu mit Ashantee im Walther J.Jacobs-Stutenpreis (Gr. III) einen Sieg herausgeritten hatte. Die Zeit verging, der Trainer fragt erneut nach. Dann kam die erste Krise in Italien mit Streiks, die fast einen Monat ohne Rennen zur Folge hatten. Da fiel die Entscheidung für Deutschland. „Ich bin Mirek Rulec immer noch dankbar, dass er mich damals gefragt hat.“ In der Rückschau sei dies das Beste gewesen, was ihm hätte passieren können. Italien ist für ihn zumindest als Jockey auch keine Option mehr für die Zukunft. „Der Rennsport ist kaputt. Das ist mit den Zuständen in der Politik vergleichbar.“
Was er denn als Italiener in Deutschland vermisse, wollen wir wissen. Daniele Porcu überlegt nur kurz. „Ich bin im Winter immer einen Monat in Italien, von vor Weihnachten bis Ende Januar. Ich muss sagen, nach zwei bis drei Wochen will ich wieder abhauen.“ Sein Lebensmittelpunkt liegt längst in Deutschland. Aus der hiesigen Jockeyszene ist die Frohnnatur Daniele Porcu sowieso schon nicht mehr wegzudenken. Dabei konnte er anfangs so gut wie gar kein Deutsch. Da kam es dann schon einmal vor, dass die Order über Telefon gedolmetscht wurde. „Ich dachte anfangs, das schaffe ich nicht“, erzählt Daniele Porcu von Startschwierigkeiten mit der deutschen Sprache. Doch ohne Fleiß, kein Preis. Ohne Sprachkurs quasi autodidaktisch lernte er Deutsch, beginnend mit Rennsportvokabular natürlich. Das ist nun schon lange kein Thema mehr.
Der „Professor“, so Daniele Porcus Spitzname als er noch in Italien ritt, interessiert sich beileibe nicht nur für Pferde
In sechs Ländern hat Daniele Porcu Rennen gewonnen, gern dürfen es noch mehr werden. Besonders gern fährt er dabei nach England, wobei ihm auch noch der Gruppe III-Sieg mit Emerald Star im letzten Jahr lebhaft im Gedächtnis ist. Neben dem Ziel, sich in der obersten Jockeyliga in Deutschland zu etablieren, wünscht er sich vor allem eines: Dass es mit dem deutschen Galopprennsport wieder aufwärts geht. „Hier will ich meine Karriere beenden und hier will ich noch Karriere machen, da wünsche ich mir, dass der Rennsport wieder groß wird.“
| Steckbrief Daniele Porcu | |
| Geboren: | 03.03.1983 |
| Jockey seit: | 1999 |
| Position/Stall: | 2. Stalljockey bei Peter Schiergen |
| Anzahl Siege | 722 (Stand: 19.03.2015) in sechs verschiedenen Ländern. Etwa 450 davon in Italien, 203 oder 204 in Deutschland, dann einen letztes Jahr in England, dann Schweiz, Belgien und Frankreich. Wo es was zu reiten gibt, bin ich gern dabei. |
| Größte Erfolge: |
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Wie und warum kamen Sie nach Deutschland? |
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Stationen in Deutschland |
Daniele Porcu freut sich über seinen Sieg mit Albizia in Magdeburg. www.galoppfoto.de - Frank Sorge
2011-2012: Als es dann nicht mehr so richtig lief, kam das Angebot von Sascha Smrczek und so bin ich 2011 nach Düsseldorf gekommen. Dort war ich anderthalb Jahre. 2012-2013: Nach meinem Sturz in Baden-Baden hatte ich Zeit, mich neu zu orientieren und fing danach beim Gestüt Röttgen an. Dort war ich ein Jahr, in dem es sehr gut lief und ich Gruppe- und Listenrennen gewinnen konnte. seit 2014: Aber mein Ziel, seitdem ich in Deutschland bin, war es immer, mit Peter Schiergen zu arbeiten. |
| Über seine Ziele: | Man muss immer weiter. Ich möchte gern Topjockey werden. Das Pferd, das mein Leben verändert, habe ich noch nicht getroffen. Vielleicht kommt das noch. Und Championate möchte ich gern irgendwann gewinnen. |
| Würden Sie wieder in Italien reiten wollen, wenn es dort aufwärts geht? |
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| Woher kommen Sie eigentlich genau gebürtig? | Ich bin Römer, aber mein Herz gehört Mailand, weil das die Hauptstadt des italienischen Rennsports war. Ich bin deswegen mit 17 umgezogen, weil ein Angebot von einem Trainer mit 100 Pferden kam (Maurizio Guarnieri). Ich komme aus einer Rennsportfamilie, mein Großvater war schon Trainer. Da konnte ich eigentlich nichts anderes machen, obwohl meine Eltern immer versucht haben, mich draußen zu halten. |
| Zum Deutschlernen: | Als erstes habe ich diese komische Rennsportsprache gelernt: Geh vorne, im Vordertreffen, gut abspringen, nicht zu früh, Speedpferd, langgezogener Speed usw. Und jetzt kommen ab und an sogar Fernsehteams und ich denke immer, dass dann alle meinen blöden italienischen Akzent hören ... Voll peinlich. |
| Zu Kollegialität und Vorbildern: |
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| Warum? | Weil Andrasch… ist einfach Andrasch. Er ist hart mit sich selber, was ich auch bin. Das ist schwer zu beschreiben. Er ist eine Legende hier in Deutschland. Ich möchte gerne wie er werden. Das ist nicht einfach, aber ich gebe mir Mühe. |
Können Sie sich noch an den 1. Sieg erinnern? | Ja (lacht.) Das war 1999 bei meinem fünften Ritt auf einer ganz kleinen Bahn, 900m Sandbahn. Das war eine sehr gute Schule für die Stifte. Meine ersten fünf Siege habe ich mit dem gleichen Pferd, Imperial Dance, geschafft. |
| Welche Ziele haben Sie? | Ich möchte gern Champion werden. Aber dafür brauche ich einen guten Mann, der mich managt. Aber ich bin sehr anspruchsvoll. Bei mir sind keine Fehler erlaubt, weil ich mit mir selbst sehr hart bin. Ich will immer das Exklusive haben. Aber im Moment kann ich das auch selber machen. Die Leute rufen oder ich rufe an, das ist auch nicht das Problem. Aber wenn ich unterwegs bin, wäre das natürlich einfacher, wenn man jemanden hat, der sich darum kümmert. |
Was sind Ihre Stärken? |
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Welches ist das beste Pferd, das Sie geritten sind? |
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In welchem Land würden Sie gern mal reiten? | England. Die Art und Weise, wie dort Rennen geritten werden, liegt mir. Ich mache auch sehr viel mit den Händen, auch das Taktische liegt mir. Ich will zum Beispiel immer nach innen. Wohnen möchte ich dort aber nicht, ich fühle mich in Deutschland wohl. |
| Warum, wegen der großen Tradition? | Jaaa! Das ist Hammer, wie das Rennsportleben da ist. Obwohl auch wir in Köln zum Beispiel immer viele Zuschauer auf der Bahn haben. Aber bei uns fehlen leider die Medien. Ich glaube, dass es ganz wichtig ist, wieder eine Galopp-Sendung, in welcher Form auch immer, zu haben. |
| Über Medien und den Rennsport: | Da müsste Geld investiert werden. Die meisten Menschen in Deutschland haben überhaupt keine Ahnung, was Galopprennsport überhaupt ist. Das ist kein Reitsport, kein Turnier. Eigentlich ist das eher wie Bundesliga, die Ställe kämpfen gegeneinander wie im Fußball: Schiergen gegen Wöhler, Wöhler gegen Klug und Klug gegen Hirschberger usw. Wenn es eine Sendung gibt, bleiben Leute hängen und sehen wie der Rennsport funktionert. Deswegen haben wir in Deutschland auch so viele Probleme mit dem Tierschutz. Die Leute denken, wir würden die Pferde verprügeln. Die sollen einmal im Stall von Peter Schiergen vorbeikommen und gucken, wie wir uns um die Pferde kümmern. Aber dass wir Jockeys eine Vertragsstrafe zahlen müssen, ist schon sehr heftig. Andrasch musste damals nach dem Derby mit Lucky Speed 7000 € abgeben, wegen eines Schlags. Man muss auch ein bisschen sportlich sein. Es gibt keine Toleranz mehr. Das liegt an der Kultur, es gibt keine. |
| Zur Lage des Rennsports in Deutschland: |
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| Und worauf freuen Sie sich? | Ich finde es gut, dass es durch die Zusammenarbeit mit PMU viele Renntage unter der Woche gibt. Wenn es nur am Wochenende Rennen gibt, ist das für uns Jockeys auch nicht so schön. Ich freue mich, die Kollgen zu sehen, unterwegs zu sein, nach Berlin zum Beispiel und fürs Gewicht ein bisschen zu ackern. |
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