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York und das große Ebor Festival

Über den Menschen: Joseph O'Brien auf Australia. Foto: John James Clark

Autor: 

Catrin Nack

TurfTimes: 

Ausgabe 330 vom Donnerstag, 21.08.2014

Wenn "Royal Ascot" und "GloriousGoodwood" die beiden Rennmeetings sind, die Ihnen, wenn Sie an England denken, als Erstes in den Sinn kommen - vielleicht neben dem Englischen Derby in Epsom - dann denken Sie von nun an auch an York. Es mag das einprägsame Attribut fehlen - echte Nordengländer geben sich mit solchen Nebensächlichkeiten nicht ab - aber das Ebor-Festival  (in typischem Understatement ist das Meeting nach dem Handicap, welches am letzten der vier Tage ausgetragen wird, benannt) ist Rennsport vom Feinsten, und mit drei Gruppe I-Rennen werden hier derer mehr als während der Rennwoche von Goodwood ausgetragen. Das Ebor-Festival bildet zusammen mit den genannten Rennwochen die Sommer-Highlights des Flachrennsports;  in diesem Jahr gibt es hier kein Rennen, welches mit weniger als 40.000 Pfund dotiert ist. Insgesamt kommen neun Gruppe-Rennen zur Austragung, je ein Gruppe I-Rennen an den ersten drei Tages des Meetings, am letzten Tag ist das mit nunmehr 265.000 Pfund dotierte Ebor-Handicap das im Moment höchstdotierte Ausgleichsrennen Europas.

Rennen in York werden auf dem Knavesmire ausgetragen, einstmals  eine Brachfläche etwas außerhalb von York, die häufig überflutete und daher über Jahrhunderte sich selbst überlassen blieb. In dunkler Vorzeit wurden hier Verbrecher gehängt, keiner erreichte größere notorische Berühmtheit als Dick Turpin, der 1739 hier öffentlich hingerichtet wurde (ironischerweise für Pferdediebstahl, auch wenn Turpin schlicht und ergreifend ein Verbrecher und Mörder war). Die Ansicht setzte sich durch, dass es wohl nicht den besten Eindruck für eine florierende Stadt machte, wenn der erste Anblick ein Galgen wäre, man begann über "alternative" Nutzungen der Fläche nachzudenken, und so entwickelte sich langsam die Rennbahn, auch wenn Rennen in York geschichtlich belegt schon wesentlich früher abgehalten wurden. Aufzeichnungen zeigen, dass die Stadt York Rennen ab dem Jahr 1530 unterstützte, es gibt Beweise eines Rennens auf dem zugefrorenen Fluss Ouse im Jahr 1607. Das erste Rennen auf  heutigen Kurs scheint 1731 abgehalten worden zu sein, auch wenn es hier einige Unklarheit unter den Historikern gibt. Die erste historisch belegte Rennbahn von York befand sich tatsächlich an anderer Stelle, belegt sind dort Rennen ab mindestens 1709. Das Ebor Handicap wurde zum ersten Mal im Jahr 1843 ausgetragen, damals noch unter dem Namen Great Ebor Handicap. Zur gleichen Zeit wurde auch dieses Meeting ins Leben gerufen.

Auch wenn es einige Unklarheit über die genauen Daten gibt, so ist sicher belegt, dass York nach Newmarket die zweite Rennbahn des Landes war, die ein strukturiertes Rennprogramm abhielt, dies ab 1751. York hat mit  dem May (oder auch Dante) Meeting und eben dem Ebor Festival zwei wichtige Fixpunkte des englischen Rennkalenders auf seiner Bahn; nach wie vor sind die Dante Stakes eine der wichtigsten Derby-Vorprüfungen (vergleichbar mit unserem Union-Rennen), North Light, Motivator und Authorized triumphierten hier vor ihrem Sieg in Epsom, und der diesjährige Sieger The Grey Gatsby konnte anschließend das Französische Derby gewinnen.

Drei Gruppe I-Rennen kommen in Laufe der vier Tage zur Austragung, chronologisch beginnend mit den International Stakes, nun seit Jahren unter dem Patronat von Juddmonte stehend; das Rennen wurde 1972 als der Benson & Hedges Gold Cup gegründet und  führt über knapp 2100m. Gleich die erste Austragung brachte eines der Schock-Ergebnisse in der Geschichte des englischen Rennsports, als der amtierende Derby-Sieger Roberto, von Lester Piggott verschmäht, den für unbesiegbar gehaltenen Brigadier Gerard nach einem wahren Husarenritt seines eher unbekannten Jockeys Braulio Baeza sicher schlug. Es war dies die einzige Niederlage einer der wahren Giganten des Sports, die man Roberto und seinem Team hierzulande auch nie wirklich verzieh. Die Siegerliste des Rennens ist voller großer Namen, drei Doppel-Sieger gibt es bisher: Dahlia (1973/4), Ezzoud (1993/4) und Halling (1995/6), dazu Troy, Master Willie,Sakhee, Nayef undFalbrav.

Aidan O'Briens erster Sieger hier war Giant's Causeway im Jahr 2000, nun hat er durch Australia mit fünf Siegern mit Sir Michael Stoute gleichgezogen, der u.a. den Doppelsieger Ezzoud trainierte. Authorized und Sea The Stars gewannen hier als amtierende Derby-Sieger, im Jahr 2012 war dies das Rennen des großen Frankel, sein Trainer Sir Henry Cecil bereits gezeichnet von seiner schweren Krankheit. Der Sieg des natürlich insgesamt ungeschlagenen Frankel hier in York war einer dieser besonderen Tage, an denen sich die zügellose Freude, einen Superstar gesehen zu haben, mit der Melancholie des Augenblickes vermischte, ein unvergesslicher Tag für alle, die ihn auf dem Knavesmire erleben durften.

Nun schrieb sich mit Australia ein weiteres Pferd mit einer gewaltigen Reputation in die Siegerlisten ein, ein zweifacher Derby-Sieger, dessen genialer Trainer mit Superlativen für diesen so blaublütig gezogenen Hengst nie sparte. Es mag ein wenig "business as usual" gewesen sein, als Trainer-Sohn und ständiger Partner des Hengstes Joseph den Fuchs an der Außenseite des Feldes nach einer energischen Aufforderung letztendlich zu einem leichten Sieg ritt, dennoch war es ein weiterer Höhepunkt seiner an Höhepunkten so reichen Trainer-Karriere;  zudem wohl auch ein weiterer Mosaikstein, dass der diesjährige klassische Jahrgang so schlecht nicht geraten ist, verstärkt durch den französischen Derby-Sieger The Grey Gatsby, der die älteren Teilnehmer sicher auf Rang Drei und schlechter verwies. Mit 800.000 Pfund Gesamtdotierung war die diesjährige Austragung das wertvollste Rennen, das je in York gelaufen wurde.

Ein wenn auch kleines deutsches Element des ersten Tages des Ebor- Festivals mag vielleicht untergegangen sein, aber der in München ansässige Darren Moffatt stieg in den Acomb Stakes in den Sattel von Danny O'Ruairc, der von Bruder James Moffatt trainiert wird. Es reichte für den großen Außenseiter leider nur für einen Platz in den hinteren Regionen.

Catrin Nack

 

 

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