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Das wöchentliche Editorial

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Daniel Delius

Nur die größten Optimisten hatten damit gerechnet, dass am vergangenen Sonntag ein in Deutschland trainiertes Pferd im bisher bestbesetzten Grand Prix der Saison einen Platz unter den ersten drei erreichen würde. Selbst Royal Youmzain, über weite Strecken derzeit wohl das beste ältere Pferd in einem hiesigen Rennstall, hatte keine Chance, man wird mit ihm wohl demnächst etwas zurückstecken und die Gruppe I-Rennen meiden. Bei den vierjährigen und älteren Pferden ist derzeit weit und breit keines zu sehen, das besseren ausländischen Konkurrenten, wenn sie denn ein Rating um die 97kg haben, Paroli bieten kann. Und einige Kategorien darunter, in der Listenklasse, muss man schon froh sein, wenn gelegentlich eines im Lande gehalten werden kann, wie etwa der Hoppegartener Stutenpreis. weiterlesen »

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Daniel Delius

13.634.947 Euro gab es 2018 im deutschen Galopprennsport  an Rennpreisen und Prämien zu gewinnen. Im ganzen Jahr. 20 Millionen Dollar beträgt das Preisgeld am 29. Februar 2019 im Saudi Cup auf dem King Abdulaziz Racetrack in Riyadh in Saudi-Arabien. 20 Millionen. In einem Rennen. Über 1800 Meter auf Sand, gewöhnlichem Sand, kein Tapeta oder Polytrack. Also Sand wie in Dortmund oder Neuss und wenn man mal ganz theoretisch denkt, dann könnte sogar ein Spezialist für den dortigen Kurs in Riyadh laufen, denn das auf 14 Starter limitierte Rennen ist offen für alle, kein Einladungsrennen, kein „Pegasus“ oder „Everest“, bei dem das Preisgeld durch extrem hohe Nennungsgebühren nur umverteilt wird. weiterlesen »

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Daniel Delius

Die Kollegen der „Racing Post“ hatten sich unlängst in einem längeren Artikel mit der Frage beschäftigt, warum Jockeys auch in relativ fortgeschrittenem Alter im Vergleich zu anderen Sportlern  noch zu Höchstleistungen fähig sind. Der Anlass dafür war die erstaunliche Saison, die Frankie Dettori, 48, hinlegt. Der Mann, so wurde akribisch recherchiert, passt auf sich auf. Er hat etwa in diesem Jahr noch nie einen Ritt an einem Montag in England ausgeführt. Und dienstags, mal abgesehen von den Meetings, auch höchst selten. Seine freien Tage nimmt er sich, dann jettet er schon einmal mit dem Kumpel Atzeni zum Palio nach Siena. Es stimmt also die Work-Life-Balance. Am nötigen Kapital dafür wird es gewiss nicht fehlen. weiterlesen »

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Daniel Delius

Die Seite 13 der „Süddeutschen Zeitung“ vom Mittwoch war den Leserbriefen vorbehalten. Aufmacher war ein Bild von der Derbywoche in Hamburg, die Überschrift lautete: „Ein Sport, der den Tod einkalkuliert“. Es ging um einen am 10. Juli erschienen Artikel, eigentlich eine Nachlese zum Derby, in dem aber auch der Tod zweier Pferde während der Rennwoche thematisiert wurde, zudem der zu häufige Peitscheneinsatz von Lukas Delozier auf Django Freeman und die Reaktion der Tierschutzorganisation Peta. Die daraufhin eingegangenen und jetzt veröffentlichten Leserbriefe hatten eine einhellige Tendenz: Der Galopprennsport gehöre abgeschafft. Ob das dort Abgedruckte nun der Wahrheit entspricht oder teilweise dann doch nicht, spielt letztlich keine Rolle. Es war ein PR-Desaster für den Rennsport. weiterlesen »

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Daniel Delius

Vor einigen Wochen wurde in Saint-Cloud in Frankreich der Prix Eugene Adam gelaufen, ein renommiertes Gruppe II-Rennen mit einer Dotierung von immerhin 130.000 Euro. Bei der Vorstarterangabe waren nur noch drei Pferde startberechtigt, dank dreier Nachnennungen bekam man das Feld mit Müh und Not auf sechs Starter. In Irland etwa ist ein Gruppe-Rennen, das mit einer zweistelligen Starterzahl über die Bühne geht, eine Rarität und meist kommt auch noch die Hälfte der Teilnehmer aus dem Stall von Aidan O’Brien. Über die Beteiligung der Gruppe-Rennen in Italien muss man eigentlich gar nicht mehr reden. weiterlesen »

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Daniel Delius

„Unser Stern ist tief gesunken“, schrieb das Rennsportblatt „Sporn“ in Bezug auf die deutsche Vollblutzucht, zitiert im Derby-Buch von Harald Siemen. Das war im Jahre 1881 nach dem Sieg von Cäsar im Norddeutschen Derby. Der Hengst kam aus Dänemark, war im dortigen Gestüt Frederiksborg gezogen. Ähnliche Worte hätten auch nach dem Gruppe III-Rennen am Freitag in Hamburg fallen können, im Anschluss an den Sieg von King David. Es war, wenn wir denn richtig recherchiert haben, der erste Sieg eines Pferdes aus dänischer Zucht in einem bedeutenden Rennen in Deutschland seit 138 Jahren. Halt seit Cäsar. weiterlesen »

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Daniel Delius

Vier Redner traten am Montag beim Senatsempfang anlässlich der 150. Austragung des Derbys im noblen Hamburger Rathaus auf das Podium. Das Wort „Doppelrennbahn“ wurde von keinem in den Mund genommen. Seit über 15 Jahren wird das Thema in der Hansestadt diskutiert, mal mehr, mal weniger intensiv, geschuldet der Tatsache, dass das Gelände der Trabrennbahn in Bahrenfeld bebaut werden soll. Das ist längst beschlossen und verkündet, fragt sich nur wann. Die Verantwortlichen halten sich zurück, „die Planungen dauern an“, heißt es immer wieder, im Hamburger Abendblatt wurden jetzt ein paar eindrucksvolle Zahlen präsentiert, denn billig würde eine solche Bahn sicher nicht. Allein die Machbarkeitsstudien haben die Stadt schon eine sechsstellige Summe gekostet. Es besteht die Hoffnung, dass noch im Herbst eine Entscheidung verkündet wird, doch irgendwie glaubt niemand daran. weiterlesen »

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Daniel Delius

Dass Italien ein Rennsportland ist, dem mit einer gewissen Zurückhaltung begegnet werden sollte, ist allgemein bekannt. Das sportliche Niveau der dortigen Rennen ist auf ein bedenkliches Level zurückgegangen, die Abwicklung der Finanzen wird keineswegs zeitnah durchgeführt. Die Nachricht, die jetzt auf den Tisch kam, ist aber besonders abstrus, der Vorgang ist, nun ja, typisch italienisch, wie die lokalen Fachkommentatoren selbst zugeben.  Night Music und Quest the Moon, zwei Pferde des Stalles Salzburg, im vergangenen Oktober in Gruppe-Rennen in Mailand platziert gelaufen, sollen disqualifiziert werden, weil ihr damaliger Jockey Oisin Murphy eine weit zurückliegende Geldstrafe nicht bezahlt hat. Es geht um ein Rennen aus dem Jahre 2016, bei dem Murphy wegen Nichteinhaltung der Geraden Bahn eine Strafe von 128 Euro bekommen hatte. Dies wurde ihm aber nie mitgeteilt, weder nach dem Rennen noch auf einem anderen Kommunikationsweg. weiterlesen »

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Daniel Delius

In den englischen Medien wurden vor einigen Wochen Luftbilder vom Derbytag in Epsom veröffentlicht, von diesem Jahr und von einem Tag vor einigen Jahren. Insbesondere im Innenraum, in dem stets eine Art Kirmes stattfindet, waren diesmal im Vergleich zu früher große Lücken zu sehen. Die Veranstalter sprachen zwar von 100.000 Zuschauern, doch das dürfte kaum der Wahrheit nahe kommen. Auch das Französische Derby, der „Jockey Club“, hatte 2019 keineswegs gewaltigen Zuschauerandrang zu verzeichnen.

Das Großereignis an sich scheint nicht mehr von so übergeordnetem Interesse zu sein, es ist das gesamte Event, das die Menschen anzieht. Der Tag des Prix de Diane etwa, in Frankreich glamourös inszeniert: Ein hochklassiges Beiprogramm kommt zum sportlichen Highlight dazu. Und auch in Royal Ascot stimmt in diesen Tagen das Gesamtpaket, die sportliche Abwechslung. weiterlesen »

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Daniel Delius

Diesen Sonntag findet in Chantilly im Rahmen des Prix de Diane der Prix Longines Future Racing Stars statt. Aus ganz Europa werden Nachwuchsreiter zu diesem prestigeträchtigen Wettbewerb anreisen, nur aus Deutschland nicht. Es gibt schlichtweg keine. Die aktuelle Nummer eins der Statistik, der Niederländer Gijs Snijders, ist gesperrt und hat ohnehin gerade angekündigt, seine Ausbildung beenden zu wollen. Und dahinter? Nur vier Nachwuchsreiter sind in Deutschland 2019 überhaupt geritten, gewonnen haben Luca Murfuni, der für den Beruf eigentlich zu schwer ist, und die gerade verletzte Anneke Ketzer. weiterlesen »