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Das wöchentliche Editorial

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Daniel Delius

Beim gerade erfolgten Übergang in das neue Jahrzehnt haben die Historiker in den Medien oftmals die „Goldenen Zwanziger“ des letzten Jahrhunderts in Erinnerung gerufen und Parallelen zur heutigen Zeit bemüht. Ein Vergleich zum Galopprennsport jener Jahre sollte man besser nicht ziehen, denn vor einhundert Jahren begann in Deutschland ein erheblicher Aufschwung, bis zur Wirtschaftskrise 1929, gestoppt auch nicht durch die Inflation. Insbesondere in Berlin strömten die Massen auf die Bahnen in Hoppegarten, Karlshorst, Strausberg und Grunewald, wo 1909 ein modernes Hippodrom erbaut worden war, das 1933 dem Olympiastadion weichen musste. Die Zahl der Pferde im Training in Hoppegarten war Mitte der 20er Jahre in der Spitze vierstellig, rund 200 Wettannahmestellen hatten allein in der Hauptstadt Kundschaft, es gab mehrere unabhängige Züchter-, Besitzer- und Jockey-Verbände. Ein Pferd wie der große Oleander hatte höchstes internationales Niveau. weiterlesen »

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Daniel Delius

Vor genau einem Jahr stand in unserer letzten Ausgabe des Jahres eine Meldung mit der Überschrift „Die letzte Rate?“ Es ging darum, dass der Rat der Stadt Neuss noch einmal einen Zuschuss in fünfstelliger Höhe für den Reiter- und Rennverein genehmigt hatte, eine „finale Geldspritze“, um die Wintersaison zu sichern, unklar war damals, ob es über das Frühjahr hinaus Rennen in Neuss geben würde. Einen Renntag hat man in der Sandbahnsaison 2019/2020 noch geschafft, jetzt ist vorerst  Feierabend, Anfang der Woche zog der Galopper-Dachverband den Stecker, die für diesen Sonntag vorgesehenen Rennen wurden kurzfristig nach Dortmund verlegt. Ohne offizielle Begründung, wie man überhaupt die Kommunikation, auch über die Termine im ersten Quartal 2020, auf ziemlicher Sparflamme gehalten hat. weiterlesen »

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Daniel Delius

Der deutsche Rennsport, die Traber einmal eingeschlossen, haben in den vergangenen Jahren Veranstaltungsstätten in zweistelliger Zahl verloren. Bei den Trabern reputierliche Pisten wie Recklinghausen und Pfaffenhofen, demnächst Dinslaken, Frankfurt und Gelsenkirchen bei den Galoppern, plus einiger kleinerer Bahnen im Norden und Südwesten. Ob in Bremen noch jemals ein geregelter Rennbetrieb stattfinden wird, steht in den Sternen. Die Bahn, die eigentlich schon seit Längerem und jetzt wieder aktuell auf der Kippe steht, ist Neuss. Nach den letzten Meinungsäußerungen der örtlichen Politiker zur Wochenmitte steht es eher schlecht bezüglich der Zukunft der Rennen am Hessentor, Geld wird aus kommunalen Quellen eher nicht mehr fließen. Für den ersten Renntag 2020 ist der 12. Januar vorgesehen, doch scheint es nicht unmöglich, dass dann schon Dortmund einspringen muss. weiterlesen »

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Daniel Delius

Es ist ja nicht so, dass es am kommenden Sonntag in Sha Tin in Hong Kong in den vier internationalen Rennen kein Geld zu verdienen gibt. Millionen-Beträge werden ausgeschüttet, die Reisekosten für die beteiligten Zwei- und Vierbeiner werden auch erstattet und trotzdem ist die Reaktion doch etwas übersichtlich. International stark besetzt ist eigentlich nur die „Vase“ über 2400 Meter, dort laufen reichlich Europäer, Japan ist ebenfalls stark vertreten. Der „Sprint“ und die „Mile“ sind hingegen doch etwas enttäuschend besetzt, im „Cup“ starten gar nur acht Pferde. Die Gastgeber, längst schon international konkurrenzfähig, sind in der Überzahl. Aus den USA reist niemand an, ein Godolphin-Pferd sucht man vergebens, Australien ist spärlich vertreten. weiterlesen »

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Daniel Delius

Die Dachmarken „Direktorium für Vollblutzucht und Rennen“ und „German Racing“ werden, so ist zu hören, wohl demnächst der Vergangenheit angehören. Ein neuer Name, eine Dachmarke wird es geben, „Deutscher Galopp“ wird das Ganze heißen, oder „Galopp Deutschland“. Oder so ähnlich. Natürlich wird dann auch gleich ein neues Logo kreiert. Die Führung des Verbandes wird zudem organisatorisch umgebildet, nach einem gefühlten Vierteljahrhundert der Diskussionen scheint die Strukturreform endlich zur Realität zu werden. Den Besitzern soll mehr Einfluss zugestanden werden, Rennvereine und Aktive haben dem Vernehmen nach nicht mehr so großen Einfluss. Man darf gespannt sein. Doch das kostet gutes Geld, insbesondere ein neuer Name des Dachverbandes, und ob am Ende deswegen ein Besucher mehr auf die Rennbahn kommt, ist doch eher unwahrscheinlich. weiterlesen »

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Daniel Delius

Sport und Politik zu trennen fällt gerade bei internationalen Großereignissen oft nicht leicht. Die abstruse Vergabe der Olympischen Spiele ist da nur ein Beispiel. Auch im Rennsport spielen politische Umstände oft eine Rolle, zudem eine Reihe von wichtigen Rennen in Ländern stattfinden, die mit der Demokratie eine nicht immer innige Beziehung haben. Dass etwa im Februar ein neues rennsportliches Spektakel rund um den Saudi-Cup in Riyadh aufgebaut wird, ist seitens Sausi-Arabien auch ein politisches Signal gegenüber anderen Veranstaltern im Mittleren Osten, genau wie die Bahrain Trophy an diesem Freitag.  weiterlesen »

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Daniel Delius

Wenn ein Arc de Triomphe-Sieger in deutschem Besitz steht und aus einer Mutterlinie stammt, die zu den besten der hiesigen Zucht gehört, dann schaut man schon genau hin, wo er als Deckhengst aufgestellt wird. Waldgeist geht in das Ballylinch Stud nach Irland. Das ist zwar nicht hinter den sieben Bergen, aber auch nicht gerade um die Ecke. Doch gibt es sicher gute Gründe für diese Entscheidung. Ballylinch gehört seit einiger Zeit John Malone, dem größten Landbesitzer der USA, auch sonst in allerlei Unternehmenszweigen gut engagiert, sehr finanzstark. Er hat für sein irisches Gestüt viele Neuerwerbungen getätigt, die Stutenherde ist erstklassig. Dietrich von Boetticher, Mehrheitseigner bei Waldgeist, hat zudem mit Ballylinch beste Erfahrungen gemacht. Dort steht sein Lope de Vega, längst ein internationaler Spitzenhengst, eine Gelddruckmaschine.  weiterlesen »

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Daniel Delius

In den nächsten Tagen und Wochen werden sich die Züchter von Vollblütern wieder mit den Deckplänen für ihre Stuten beschäftigen, werden Rennleistungen prüfen, Statistiken wälzen, Tarife vergleichen. Welcher Hengst passt zu meiner Stute, wer bietet das beste Preis-Leistungsverhältnis, wessen Nachkommen kann ich irgendwann gut verkaufen? weiterlesen »

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Daniel Delius

Es waren 14 zwei Jahre alte Hengste, die Trainer Aidan O’Brien vom vergangenen Samstag bis zu diesem Wochenende in fünf diversen Gruppe I-Rennen an den Start bringen wollte. So ganz hat das aber nicht geklappt, die Futurity Trophy in Doncaster, in der fünf der sechs Teilnehmer aus Ballydoyle gekommen wären, fiel dem Wetter zum Opfer, im Critérium International wurde Wichita zum Nichtstarter erklärt, der andere, Armory, dann Zweiter und Letzter, gegen Alson hatte er keine Chance. Das Critérium de Saint-Cloud am letzten Samstag hat O’Brien auch nicht gewonnen, seine Schützlinge wurden Zweiter und Dritter. Ein Sieg auf höchster Ebene könnte dieses Wochenende beim Breeders Cup nachgeholt werden, die Futurity Trophy findet jetzt am Freitag in Newcastle auf Tapeta statt. Hut ab vor dem, der da noch den Überblick behält. Aidan O’Brien hat ihn offensichtlich noch.    weiterlesen »

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Daniel Delius

„Wer züchtet, der muss wissen, worauf er sich einlässt“. Worte eines erfahrenen Züchters am Rande der BBAG-Auktion am Wochenende in Iffezheim. Wer sich darauf eingelassen hat, der hatte in diesem Jahr mit einem Trend zu tun, der schon seit einigen Jahren die internationale Szene beherrscht und der längst auch in Deutschland angekommen ist. Wer einen modern gezogenen, attraktiven Jährling anbietet, der muss sich keine Sorgen um einen Käufer machen. Der gehobene Mittelmarkt läuft nicht verkehrt, die Top-Offerten sowieso, dass hat schon die Sommer-Auktion gezeigt. Schwierig wird es jedoch bei der Basis. Selbst wenn ein optisch ansprechender Jährling den Ring betritt, ist es im unteren Preisbereich problematisch einen Käufer zu finden. Gerade „kleine“ Züchter haben aktuell unter erheblichen Absatzschwierigkeiten zu leiden. weiterlesen »