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Michael Jarvis tritt krankheitsbedingt zurück

Michael Jarvis beendet seine Trainerkarriere. www.galoppfoto.de
TurfTimes: 
Ausgabe 153 vom Freitag, 25.02.2011
Autor: 
Turf aktuell

Irgendwann kommt immer der Zeitpunkt, die aktive Karriere im Rennsport zu beenden. Wenn jemand ein Alter von 72 Jahren erreicht hat, sollte seine Entscheidung, sich aus der Verantwortung als Trainer eines größeren Quartiers zurückzuziehen, niemanden überraschen. Doch das Gegenteil ist aktuell der Fall: Die Ankündigung des britischen Trainers Michael Jarvis, sich in Kürze komplett aus dem Sport zu verabschieden und seinen Stall in Newmarket an seinen derzeitiger Assistenten Roger Varian zu übergeben, überraschte die britische Turf-Szene, da dies ohne Zeitverzug schon in den nächsten Wochen umgesetzt werden soll, unmittelbar nachdem die Formalitäten erledigt sind.

Der Rückzug ins Privatleben hat bei Jarvis, der auf eine über 43 Jahre dauernde erfolgreiche Trainerkarriere zurückblicken kann, gesundheitliche Gründe. Er sieht sich selbst den physischen Belastungen seines Jobs nicht mehr gewachsen. Nach einer Herzoperation vor einiger Zeit und der Behandlung seines Prostatakrebses hat sich sein Gesundheitszustand in den letzten Monaten derart verschlechtert, dass er jetzt das Handtuch wirft. Als wir Michael Jarvis vor einigen Wochen in Newmarket sahen, war offensichtlich, dass es ihm nicht gut geht.

Seine Erfolgsbilanz als Trainer ist grandios: Mit So Blessed, der bereits in seinem ersten Trainerjahr eine Youngster-Prüfung auf Pattern Ebene bei der Royal Ascot Woche gewonnen hatte, konnte er schon im zweiten Karrierejahr einen Erfolg im July Cup in Newmarket und in den Nunthorpe Stakes in York feiern und damit den Reigen zahlreicher Erfolge in den wichtigsten Galopprennen Europas eröffnen. Sein Glanzstück war dabei 1989 der Arc-Triumph mit dem damals vierjährigen Carroll House, der sich als Dreijähriger nach seinem zweiten Platz im italienischen Derby auch dreimal in Deutschland vorstellte und nach seinem dritten Rang im Düsseldorfer Großen Preis der Berliner Bank auf höchstem Parkett bei der Baden-Badener "Großen Woche" einen Doppelschlag als Sieger im "Fürstenberg-Rennen" und eine Woche später im "Großen Preis von Baden" folgen ließ.

Ein Sieg in einem der Hengste-Klassiker seiner Heimat blieb ihm zwar verwehrt, doch mit Holding Court konnte er im Jahr 2000 zumindest das französische Derby und mit Morshdi im Jahr 2001 das italienische Derby gewinnen. Besagter Morshdi bescherte ihm im selben Jahr auch einen weiteren Triumph im Großen Preis von Baden, als er den deutschen Derby-Sieger Boreal auf Rang zwei verwies. Klassische Erfolge in England verschafften ihm die Stuten Ameerat mit ihrem Sieg in den britischen 1000 Guineas in 2000 und Eswarah in den Oaks in 2005. Einen weiteren Stutenklassiker, allerdings in Italien, gewann Fashion Statement für ihn 2007 mit den dortigen Oaks in Mailand.

Außereuropäische Erfolgserlebnisse hätte ihm vor allem die famose Stute Ela Athena bereiten können. Doch zeigte die auch hierzulande bestens bekannte Stute, die in ihrer letzten Saison als Fünfjährige dem Ittlinger Paolini im Gran Premio di Milano des Jahres 2001 einen heißen Kampf bot und nur mit einem kurzen Kopf unterlegen war, bei ihren insgesamt sechs Überseeauftritten zwar stets gute Leistungen und platzierte sich ständig, doch gewann nie.

Nicht unerwähnt in der langen Liste von Vollblütern außergewöhnlicher Klasse, die er in den mehr als vier Jahrzehnten betreute, dürfen die beiden Italien-Übersiedler Rakti und Pressing bleiben. Während Rakti nach seinem Sieg im italienischen Derby auch bei den Rennen auf der Insel zu überzeugen wusste und insgesamt vier Erfolge in Gruppe I-Rennen unter Jarvis' Obhut feierte, entwickelte sich Pressing nach seinem Transfer zu Jarvis immer mehr zu einem vierbeinigen internationalen Globetrotter, der seine finanziell lukrativen Triumphe nicht auf der Insel, sondern vor allem in seiner italienischen Heimat, in der Türkei als dreifacher Triumphator der Topkapi-Trophy und in Deutschland, wo er 2009 in München mit dem Großen Dallmayr-Preis auch auf Gruppe I-Level erfolgreich war, feierte.

Der letzte Jarvis-Sieg auf internationalem Gruppe-Parkett fand bezeichnenderweise auch nicht in seiner Heimat, sondern in Italien statt. Der spätreife Rainbow Peak, zuvor noch nicht mit Gruppe-Lorbeeren dekoriert, gewann für ihn am 17. Oktober 2010 den auf höchstem Level angesiedelten Gran Premio del Jockey Club in Mailand und damit ein Rennen, das auch von vielen deutschen Turf-Fans verfolgt wurde, da hier zwei deutsche "Galopper des Jahres", Stall Salzburgs Stute Night Magic und Gestüt Fährhofs Wallach Quijano als einer ihrer Vorgänger bei seiner Abschiedvorstellung von der Rennbahn, mit im geschlagenen Feld endeten.

Der Pferdemann Michael Jarvis war ein Mann von großer Loyalitat. So dauert seine Zusammenarbeit mit Jockey Philip Robinson, nicht unbedingt ein Mann der ersten Reihe, nun auch schon ein Vierteljahrhundert. "Seine Kunst war es, dass er auf jedes Pferd individuell eingehen konnte", kommentierte Robinson den Abschied seines langjährigen Vorgesetzten.  

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Michael A. Jarvis Morshdi (GB) 1998 Morshdi (GB) 1998 Morshdi (GB) 1998 Boreal (GER) 1998 Ela Athena (GB) 1996 Paolini (GER) 1997 Rakti (GB) 1999 Pressing (IRE) 2003 Night Magic (GER) 2006 Quijano (GER) 2002 Philip Peter Robinson
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