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Krach um TV-Übertragungen in Irland

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Turf aktuell

TurfTimes: 

Ausgabe 504 vom Freitag, 09.02.2018

Für deutsche Turf-Fans ist es eine utopisch anmutende Vorstellung, dass es einmal Streit um TV-Übertragungsrechte von Galopprennen zwischen mehreren daran interessierten Sendern geben könnte. In Großbritannien und Irland ist dies jedoch seit Jahren Realität. Zwei Konzerne, At The Races (ATR) und die Racecourse Media Group (RMG), betreiben eigene TV-Sender, die sich ausschließlich dem Rennsportgeschehen widmen, und dadurch eine bedeutende Position auf dem Markt der TV-Übertragungen von Galopprennen auf den britischen Inseln einnehmen.

Obwohl die beiden Konzerne seit 2010 ein Joint Venture unter dem Namen GBI Racing betreiben, um gemeinsam Übertragungen englischer und irischer Galopprennen an internationale Buchmacher aus 41 Ländern zu lizensieren, ist das Verhältnis der beiden Konkurrenten nicht immer friedlich. Jeder der beiden versucht, die Übertragungen der sportlich attraktiven Veranstaltungen möglichst auf seinem Sender anbieten zu können. Als 2014 die Rennbahn Ascot ins RMG-Lager wechselte und dadurch alle Rennen der englischen Premiumrennbahn nicht mehr auf dem ATR-Sender ausgestrahlt wurden, war dies ein herber Verlust für den älteren, schon seit dem Jahr 2000 existierenden Anbieter, der gemeinschaftlich dem TV-Konzern Sky und der Arena Racing Company, dem Betreiber von 23 englischen Rennbahnen, gehört.

Doch hatte ATR noch andere galoppsportliche Perlen im Portfolio seiner TV-Übertragungsrechte. Dazu gehörte vor allem die exklusive Abdeckung aller irischen Galopprennen. Doch auch dies wird bald Geschichte sein. Vom 1. Januar 2019 liegen die TV-Übertragungsrechte der irischen Galopprennen bei RMG, einer Dachorganisation von 37 britischen Rennbahnen. Möglich geworden ist dieser Coup durch einen auslaufenden Vertrag zwischen ATR und dem Bildrechteinhaber SIS, einer schon seit 1986 existierenden unter dem Namen Satellite Information Services gegründeten Firma, an der mehrheitlich  bekannte Buchmacher wie Ladbrokes (23%), William Hill (19.5%) und Betfred (7.5%) beteiligt sind. SIS – die Firma hat sich vor gut einem Jahr in Sports Information Services umbenannt – hat die Bildrechte an irischen Galopprennen von Horse Racing Ireland, der Dachorganisation des irischen Galoppsports, lizensiert, beliefert angeschlossene Buchmacher in Großbritannien und Irland mit den Live-Bildern der irischen Rennen und verkauft die TV-Übertragungsrechte weiter. Dass SIS den Vertrag mit ATR nicht verlängert, sondern jetzt mit RMG einen neuen Vertrag abgeschlossen hat, kam völlig überraschend und verschiebt die Machtverhältnisse zwischen RMG und ATR gravierend.

Wenn ATR nicht kontern kann, ist die Dominanz von RMG bei den TV-Übertragungen wichtiger Galopprennen auf den britischen Inseln unübersehbar. Auch wenn ATR weiterhin TV-Übertragungen von 23 britischen Rennbahnen zeigen kann, so ist mit Ausnahme von Doncaster keine Rennbahn mit sportlichen Highlights dabei. Ob sich der Sender allein mit Übertragungen aus Bath, Fakenham, Yarmouth oder ähnlich bedeutenden Stätten des galoppsportlichen Ringens um Sieg und Niederlage wird halten können, bleibt abzuwarten. Im Gegensatz zum Konkurrenten RMG ist der ATR-Sender allerdings ohne zusätzliche Abogebühren zu empfangen, er ist Bestandteil der Basispakete von vielen Kabel- und Satellitenanbietern auf den britischen Inseln und kann daher von einer weit größeren Zahl von Zuschauern gesehen werden.

Genau dieser Punkt wird jetzt auch in Irland von der Rennsportszene aufgegriffen. Um irische Rennen auf dem RMG-Sender, der bislang unter dem Namen „Racing UK“ angeboten wird, doch schon angekündigt hat, sich im nächsten Jahr in „Racing UK and Ireland“ umzubenennen, zu empfangen, muss ein zusätzliches Abonnement für die Freischaltung abgeschlossen werden, derzeit belaufen sich die Kosten auf 372 Euro pro Jahr. Michael O’Leary, hierzulande primär als Chef des Billigfliegers Ryanair bekannt, in seiner irischen Heimat jedoch auch als einer der führenden Besitzer von unter dem Stallnamen Gigginstown House Stud laufenden Hindernispferden wahrgenommen, äußerte sich gegenüber der Racing Post sehr kritisch zum angekündigten Senderwechsel. Er halte dies für „sehr schlecht“ für den irischen Rennsport und einen „Rückschritt“, da nun weniger Iren heimische Galopprennen zu Hause per TV-Übertragung verfolgen könnten. Zudem sieht er die Gefahr, dass es zu zeitlichen Überschneidungen von Rennübertragungen an den Großkampftagen auf dem RMG-Sender kommen wird, da jetzt zu viele Rennveranstaltungen auf einem Sender übertragen würden. Zahlreiche weitere Stimmen aus der irischen Rennsportszene äußerten sich ebenfalls verärgert und enttäuscht zum Wegfall der TV-Übertragungen irischer Rennen auf dem ATR-Sender.

Etwas unter ging die für den irischen Rennsport erfreuliche Ankündigung am letzten Freitag, dass der Vertrag des irischen Rennsports mit der öffentlich-rechtlichen irischen Sendergruppe Raidió Teilifís Éireann (RTE) für drei Jahre verlängert wurde. Mehrstündige Live-Übertragungen von 26 Renntagen pro Jahr wird es damit weiterhin über einen frei zu empfangenden TV-Sender geben. Das zweitägige Dublin Racing Festival mit hochkarätigem Hindernissport auf der Rennbahn Leopardstown machte am vergangenen Wochenende den diesjährigen Auftakt der Live-Übertragungen, an beiden Tagen übertrug RTE2 in mehrstündigen Sendungen live von der Rennbahn.

Aus deutscher Perspektive muten solche Zustände paradiesisch an und die aktuelle Aufregung über den Wegfall der ATR-Übertragungen von irischen Rennbahnen wie ein Stöhnen auf hohem Niveau, doch hat der Rennsport in Irland auch eine weit höhere Bedeutung und Wahrnehmung in der irischen Bevölkerung. Bei den Iren löst der Senderwechsel der TV-Übertragung von Galopprennen keine Begeisterung aus. Die Reaktionen in den sozialen Medien sind zahlreich und ganz überwiegend negativ. Auch die irischen Tageszeitungen berichten kritisch darüber. In Deutschland wäre man dagegen froh, wenn überhaupt noch über den Galoppsport berichtet würde.

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