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Die Ehrung der Besten

Edouard de Rothschild (li.) bekommt von Juan-Carlos Cappelli und Louis Romanet den Ehrenpreis für das beste Rennen 2017, den "Arc". Foto: offiziell

Autor: 

Daniel Delius

TurfTimes: 

Ausgabe 502 vom Donnerstag, 25.01.2018

Das Claridge’s ist eine Institution unter den Londoner Luxushotels. In bester City-Lage begegnet einem in jedem Winkel des 1856 eröffneten Hotels britische Geschichte. Schon Königin Victoria logierte hier im 19. Jahrhundert, das Clardige’s wurde schnell zur ersten Adresse für ausländische Staatsoberhäupter bei ihrem Londonbesuch. Winston Churchill nutzte das Hotel im Jahr 1945 gemeinsam mit seiner Frau phasenweise als Londoner Wohnung. In neuerer Zeit hat das Clardige’s auch seine Stammgäste aus der internationalen Musikszene wie Lady Gaga, Mick Jagger und U2-Sänger Bono, für die eine Übernachtung in London stets eine Übernachtung im Clardige’s bedeutet.

Am Dienstag dieser Woche fanden sich etliche hochkarätige Vertreter der internationalen Turf-Szene im Clardige’s ein, erfolgte dort doch die offizielle Bekanntgabe der von Longines gesponsorten Jahreswertung des weltbesten Vollblüters und des weltbesten Galopprennens in einer knapp einstündigen Zeremonie. Die weltweite Übertragung der Veranstaltung über einen Live-Stream, der sowohl über Facebook als auch über die Webseite der International Federation of Horse Racing Authorities (IFHA) abrufbar sein sollte, war von technischen Pannen überschattet. Die Verbindung über Facebook brach bereits kurz nach den ersten zehn Minuten, in denen Juan-Carlos Capelli, Vize-Präsident des Schweizer Sponsors Longines, und IFHA-Präsident Louis Romanet einleitenden Worte gesprochen hatten, ab und wurde auch nicht wieder aufgenommen. Auf der IFHA-Webseite begann die Live-Streamübertragung dagegen mit deutlicher Verspätung und war von etlichen Aussetzern gestört. Wenn eine solche Veranstaltung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird, sollten die Verantwortlichen etwas mehr Mühe in die technische Vorbereitung investieren, in der jetzigen Form macht dies keinen guten Eindruck.

Die in einer Rangliste zusammengestellte Wertung “Longines World’s Best Racehorse 2017” entspricht dem international abgestimmten offiziellen Jahresrating der Spitzengalopper, wie es Mitte Dezember in Honkong beim Treffen der internationalen Chef-Handicapper aller relevanten Vollblutnationen unter Beteiligung des deutschen Vertreters Harald Siemen festgesetzt wurde. Der als „Longines World’s Best Horse Race 2017“ bezeichnete Titel des weltweit bestbesetzten Galopprennens des vergangenen Jahres ergibt sich aus dem Durchschnittsrating der vier Erstplatzierten und kann somit direkt aus Rating-Rangliste der Vollblüter abgeleitet werden.

Überraschungen blieben bei der Bekanntgabe aus, im Wesentlichen wurden die schon zuvor bekannten Ratings bei der finalen internationalen Abstimmung bestätigt. So blieb es dabei, dass Khalid Abdullahs Hengst Arrogate die Auszeichnung als bester Galopper des Jahres zugesprochen wurde. Der Sieg im Dubai World Cup nach einem Erfolg zuvor im Pegasus World Cup führten zu einem Rating von 134, dieselbe Marke hatte ihm bereits im Vorjahr den Titel eingebracht. Trainer Bob Baffert und Lord Teddy Grimthorpe, als Vertreter von Khalid Abdullah, waren im Clardige’s zugegen und nahmen die Auszeichnung entgegen.

Die australische Seriensiegerin Winx belegte mit einem Rating von 132 den zweiten Platz in der Jahresweltrangliste. Für sie bedeutete dies eine Verbesserung um einen Platz gegenüber 2016, als sie mit identischem Rating hinter California Chrome Dritte geworden war. Winfried Engelbrecht-Bresges trat bei der Zeremonie im Claridge’s als Laudator für Winx auf und stellte die Stute und ihre neunfache Siegesserie in 2017 vor.

Bei einer vom Turf-Publikum und nicht von den Chef-Handicappern gestalteten Rangliste hätten die Chancen für Winx, vor Arrogate gelistet zu werden, sicherlich nicht schlecht gestanden. Während Winx von Februar bis Ende Oktober 2017 in neun Rennen, davon sechs auf Gr. I Parkett und drei auf Gr. II Ebene, ungeschlagen blieb und ein ums andere Mal das Publikum begeisterte, war Arrogate nach seinen zwei Erfolgen im ersten Quartal 2017 bei drei weiteren Starts von Juli bis November 2017 nur noch ein Schatten seiner selbst und bezog ausschließlich Niederlagen. Diese mangelnde Konstanz seiner Formkurve schadete seinem Rating nicht, da die Handicapper ausschließlich die beste Jahresleistung zugrunde legen und nicht die Gesamtheit der im Jahr gezeigten Rennergebnisse. Für ein hohes Jahresrating reicht somit eine einzelne Sternstunde in einem einzigen Rennen, sofern sich die dahinter Platzierten im Jahresverlauf in anderen Rennen ein hohes Rating verdienen und damit – zumindest aus Handicappersicht – die gezeigte Leistung bei diesem Sieg aufwerten. Längst nicht jeder Turf-Fan teilt diese Vorgehensweise zur Festlegung eines Jahresratings, doch nur selten wurden die Schwächen dieser Handicapper-Logik so deutlich vor Augen geführt wie in diesem Jahr durch Arrogate.

Den dritten Rang der Weltrangliste teilten sich diesmal der Brite Cracksman, dessen imposanter Triumph in den Champion Stakes mit einem Rating von 130 bewertet worden war, und der im Breeders‘ Cup Classic erfolgreiche US-Vertreter Gun Runner, der erst in Hongkong von seinem ursprünglichen Rating von 129 auf 130 hochgesetzt worden war und damit quasi im letzten Galoppsprung noch zu Cracksman aufschließen konnte.

Die weiteren Platzierungen der Weltrangliste 2017 wurden nicht mehr in London vorgestellt, sie sind jedoch der zeitgleich auf der Webseite der IFHA veröffentlichten Übersicht zu entnehmen (klick). Die Arc-Siegerin Enable, die zuvor bereits in den Oaks und den King George triumphiert hatte, bekam ein Rating von 128 und platzierte sich damit auf Rang 5 vor dem Eclipse-Sieger Ulysses (126). Als bester Franzose rangiert dahinter der Arc-Zweite Cloth of Stars gemeinsam mit dem britischen Sprinter Harry Angel auf Platz 7. Beide Godolphin-Vertreter erhielten ein Rating von 125. Die Top Ten beschließen drei aus verschiedenen Kontinenten stammende, jedoch jeweils mit einem Rating von 124 bedachte Galopper höchst unterschiedlicher Art: die auf der Meile beheimatete Godolphin-Stute Ribchester, die drei Gr. I Siege in Europa feiern konnte, der japanische Star Kitasan Black, in 2017 vierfacher Gr. I Sieger in Steherrennen seiner Heimat, und der US-Hengst Collected, dessen 2. Rang zu Gun Runner im Breeders‘ Cup Classic zu diesem hohen Rating führte.

Um die besten deutschen Vertreter in dieser Weltrangliste zu finden, muss man schon etwas weiter nach unten schauen. Auf Rang 40 findest sich Horst Pudwills Dschingis Secret mit einem Rating von 120, das sich der von Markus Klug vorbereitete Hengst nicht nur durch seinen Gr I-Erfolg im GP von Berlin verdiente, sondern dass ihm auch für seine beiden Gr. II-Siege im Hansa-Preis und im Prix Foy am Tag der Arc-Trials in Chantilly zuerkannt wurde. Im direkten Vergleich mit Dschingis Secret behielt Baron von Ullmanns Guignol zwar im GP von Bayern (Gr. I) und im GP der Badischen Wirtschaft (Gr. II) zweimal die Oberhand und musste sich nur im Hansa-Preis dem Konkurrenten geschlagen geben, dennoch wurde er mit einem Rating von 119, das er auch für den Sieg im GP von Baden (Gr. I) erzielte, unterhalb von Dschingis Secret platziert. Ein weiteres Pünktchen dahinter rangiert Iquitos mit einem Rating von 118 als drittbester Deutscher noch vor dem Derby-Sieger Windstoß (117). Sein 118er Rating hat sich Iquitos nicht nur auf der Steherdistanz wie die vor ihm rangierenden Dschingis Secret und Guignol verdient, sondern auch in der Distanzgruppe „Intermediate (=1900m-2100m)" unter Beweis gestellt. Sein Erfolg im Großen Dallmayr-Preis (Gr. I) auf 2000m-Distanz wurde ebenfalls mit einem Rating von 118 bewertet.

Als weltweit bestes Galopprennen des Jahres 2017 wurde der Prix de l’Arc de Triomphe ausgezeichnet. Dieser Prestigetitel wird erst seit 2015 vergeben, wobei der Arc sich jetzt bereits zum zweiten Mal nach 2015 mit diesem Etikett schmücken kann. Der Breeders‘ Cup Classic als Vorjahressieger fiel in diesem Jahr auf Rang 4 zurück. Vor ihm platzierten sich diesmal die King George und der Dubai World Cup. Gerade die Renaissance der King George ist besonders auffällig, in den letzten beiden Jahren befand sich das sommerliche Gr. I Rennen in Ascot nicht einmal in den Top Ten. Zwei deutsche Gr. I Prüfungen haben es auch in diesem Jahr in die weltweite Top 100 Liste geschafft. Wie im Vorjahr war auch in 2017 der GP von Bayern das bestbesetzte Galopprennen Deutschlands, im internationalen Vergleich platzierte sich die Münchener Prüfung auf Rang 44. Deutlich dahinter findet sich GP von Baden auf Rang 81.

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