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Aufgalopp 504

Autor: 

Daniel Delius

TurfTimes: 

Ausgabe 504 vom Freitag, 09.02.2018

Die Siegesserie der jungen Nachwuchsreiterin Mickaelle Michel ist derzeit ein großes Thema in der französischen Fachpresse. Mit Recht, schließlich kannte vor einem halben Jahr niemand ihren Namen und jetzt, Stand Mitte dieser Woche, führt sie nicht nur mit 17 Siegen die einschlägige Statistik deutlich an, sie hat auch mit 127 Ritten die weitaus meisten Einsätze gehabt. Die Kolleginnen Santiago und Pacault sind ebenfalls unter den ersten zwanzig zu finden. Das ist, natürlich, eine Momentaufnahme, denn bislang spielt sich das Geschehen auf den französischen Flachrennbahnen nur auf den Allwetterkursen ab und die bieten halt in dieser Jahreszeit vornehmlich Basissport an.

Die Erfolge der weiblichen Reiterinnen haben sicher mit deren Können und Talent zu tun. Dass sie dieses entfalten, dass sie zu mehr Ritten herangezogen werden, liegt aber in erster Linie an der Gewichtserlaubnis, die sie seit einem knappen Jahr in Frankreich in Anspruch nehmen können. Zunächst zwei, inzwischen noch eineinhalb Kilo, das ist insbesondere im Handicap schon ein Wort. In England ist das von den Protagonistinnen teilweise abgelehnt worden, wobei manchmal der Eindruck entstand, sie fühlten sich in ihrer Ehre gekränkt.

Es wundert einen aber schon, dass in Deutschland scheinbar noch niemand über eine Gewichtserlaubnis für weibliche Reiterinnen nachgedacht hat. Unsere Jockeystruktur ist überaltert, der Nachwuchs praktisch kaum vorhanden, wenn, dann ist er weiblich. Und oft genug orientieren diese Reiterinnen anderweitig, wenn sie denn fünfzig Rennen gewonnen haben und keine Erlaubnis mehr in Anspruch nehmen können. Es wäre ein Anreiz, die Karriere weiter vorwärts zu treiben. Ansonsten könnte es hierzulande ein Problem werden, in einigen Jahren die Rennen vielleicht nicht mit Pferden, aber mit Reitern zu besetzen.

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