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Aufgalopp 468: Zu 45 Anti-Galopp-Minuten ....

So sah Aspantau aus, als er den Rennstall verlassen hat, in der NDR-Doku hört sich das alles ganz anders an. Foto: privat

Autor: 

Daniel Delius

TurfTimes: 

Ausgabe 468 vom Donnerstag, 18.05.2017

Eine wichtige Grundvoraussetzung für jegliches journalistisches Tun ist eine Einstellung, die mit unvoreingenommen bezeichnet werden kann. Dem Thema sich neutral nähern. Das ist sicher nicht immer möglich, in der Politik, in der Wirtschaft, im Sport, weil sich die Protagonisten oft gut und lange kennen, man sich halt auch noch am nächsten Tag sieht und sich auch in die Augen schauen muss. Oft wird halt etwas beschönigt oder nicht unbedingt so geschrieben, wie es vielleicht wirklich gesehen wird. Der Galopprennsport ist sicher ein Mikrokosmos, aber irgendwo doch exemplarisch, jeder ist auf eine gewisse Art mit jedem verbandelt, gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wird umso vorsichtiger agiert.

Die Macher des Films, der am Montag im Norddeutschen Rundfunk ausgestrahlt wurde, waren jedoch voreingenommen. Die Dokumentation folgte einem klaren Plan. Da gibt es auf der einen Seite den bestens bekannten seit vielen Jahren gegen den Rennsport agierenden Dr. Maximilian Pick, dessen Aussagen die Kernessenz der Dokumentation waren, die es zu bebildern galt. Und für die Emotionen wurde dann eine selbst ernannte Tierheilpraktikerin bemüht, denn dabei handelt es sich um keine rechtlich geschützte Berufsbezeichnung.

Natürlich waren da wieder die schicken Hüte zu sehen, dazwischen in Slow Motion die verunfallten Pferde mit halb abgerissenen Beinen. Dass die Bilder aus dem Archiv stammten, geschenkt. Hier ging es direkt an die Emotionen. Tierschutz liegt am Puls der Zeit.

Mehr als eine halbe Millionen Menschen haben die 45-Anti-Rennsport-Minuten nun schon gesehen, viele tausend haben sie kommentiert. Und das geht noch munter weiter. Denn die eigentlichen Klickzahlen werden heutzutage bei YouTube, Facebook und Co. erzielt. Auch, wenn die Community in den sozialen Medien tapfer versucht hat, argumentativ dagegen zu halten, unterm Strich steht der Rennsport in der öffentlichen Meinung schlecht da. 

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